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Island
Fantasyroman über die vergessenen Tore der Atlanter, er rettet einem Elfen
das Leben und wird dafür belohnt. Alien werden seine Freunde,
sie nehmen ihn mit auf den amerikanischen Geheimstützpunkt wo
sie die Amerikaner wissenschaftlich unterstützen.
Fantasyroman von Hermann Büsken
Sollte ein Verlag Interesse an meinen Roman haben, würde ich mich
freuen und ich stelle gerne weitere Seiten zur Verfügung..
Die Tore der
Atlanter.
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Über mich.
Ich wurde in Palling, Oberbayern geboren. Aufgewachsen bin ich in
dem Dorf Raesfeld bei Borken in NRW.
Schon in jungen Jahren habe ich viel gelesen. Kein Karl May
war vor mir sicher. Später schlug ich die Richtung Perry Rodan und artverwandte
Bücher ein. UFO- Literatur, und Esoterik, aber auch ganz normale Taschenbücher
runden das Bild ab. Als ich einen Gruselroman las, und mich über die primitive
Ausdrucksweise wunderte, stellte ich fest, das hättest du besser
gekonnt. Ab diesem Zeitpunkt reifte der Plan, selber ein Buch zu schreiben. Ich
habe mir dafür ein paar Jahre Zeit gelassen, da ich nur geschrieben habe wenn
ich in Stimmung war. Dabei habe ich festgestellt, dass es Zustände gab, in denen
ich mich nur hinzusetzen brauchte und mein Stift ein Eigenleben entwickelte. War
vorher alles festgefahren, wurden plötzlich Probleme gelöst und neue Ideen
wurden geboren. Ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass ich unsichtbare
Hilfe hatte. Ich hatte dann beim Schreiben ein Erlebnis,
das mich lehrte, dass es auch eine böse Seite gab.
siehe hier:
Zur Zeit arbeite ich an meinem 3. Buch..
Eines meiner Hobbys ist U-Bootmodellbau. Ich habe darüber
vier Hefte geschrieben die ich auf dieser Homepage
anbiete. Ein Weiteres ist die Präparation von Tieren.
siehe hier.
Ich lebe
alleine mit meinem Hund . mehr über mich hier
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Ich bin dankbar für jede Kritik,
per E-Mail

Da ich keine Probeleser habe und
auch sonst nicht weiß, wie meine Schreiberei vom Leser aufgenommen wird, bin
ich dankbar für jede Anregung oder Kritik, sollte sie noch so direkt
ausfallen. Bitte schreiben sie in mein
Forum-Formular
Meine Erfahrung mit dem Novum Druckkosten-Zuschussverlag. Ich kann nur jeden
Autor warnen sich mit diesen Verlag einzulassen.
siehe:
www.hermann-buesken.de/novumverlag
|
Meine Geschichte ist im Bereich Fantasy angesiedelt und greift auf Erzählungen
und Legenden zurück, die heute noch teilweise aktuell sind.
Ich brauchte also
nicht allzu viel Fantasy aufbringen, das haben schon Andere für mich gemacht.
Ich habe daraus nur eine Geschichte gemacht.
In dem Buch kommen Alien und Elfen vor. Dass es Außerirdische gibt
will wohl keiner bezweifeln?
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Rezension.
Der Autor Hermann Büsken hat erst spät festgestellt dass er ein Buch
schreiben kann. Ausschlaggebend war ein Horrorroman der seiner Meinung
nach zu primitiv geschrieben war. Er sagte sich, das hättest du besser
gekonnt. Das war die Geburtsstunde seines Fantasyromanes „Die
vergessenen Tore der Atlanter“.
Der Roman handelt von einem
jungen Mann namens Kristian, der durch Zufall in einer Burgruine ein Tor
ins Mittelalter findet. Dort trifft er die ehemaligen Burgbewohner. Er
rettet einem Elfen das Leben und erhält dafür ein Medaillon, mit dessen
Hilfe er sich unsichtbar machen und von einem Ort zum anderen springen
kann. Er erfährt, dass sich das Elfenreich in einer Parallelwelt
befindet und sie dort einen Stützpunkt haben, der auch von Außerirdische
angeflogen wird. Die Außerirdischen werden seine Freunde. Lena die Reporterin und
Jessika seine Freundin, begleiten Kristian auf viele seiner Reisen.
. Die folgenden Abenteuer zeichnen ein Bild wie eine
Erstbegegnung mit Außerirdische aussehen könnte. Auch das Mittelalter
bietet genug Stoff für spannende Abenteuer.
Der Autor hat sich gefühlvoll in die Lage des Entdeckers der „vergessenen
Tore der Atlanter“ versetzt. Wie
würde man sich verhalten plötzlich im Mittelalter zu sein?
Zurückgreifend auf Sichtungen im Mittelalter versucht der Autor die
Elfen glaubhaft wiederzubeleben, deren Blütezeit das Mittelalter war.
Die Elfen als mächtiges Volk, schon damals der Menschheit weit überlegen.
Noch heute glauben viele Leute im Norden Schottlands, dass eins die Sinth, das Elfenvolk (oder das kleine Volk) existierte. Der Glaube hat
sich in der Bezeichnung „Gute Nachbarn“ gehalten. Auch wenn sie sich
den Menschen manchmal feindselig zeigten. Noch heute gibt es in Island
eine staatliche Elfenbeauftragte.
Dass Elfen und Außerirdische zusammen in einer Parallelwelt einen Stützpunkt
betreiben, klingt vorstellbar. Schon in der Bibel wurde von Sichtungen
gesprochen. Von Wagen am Himmel mit feurigen Rädern war die Rede.
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 | Alien |
 | Nach der Klosterchronik von St. Albans
erschien in England am Neujahrstag 1254 „eine Art Schiff in der Luft, von
anmutiger Bauweise und wunderbaren Farben“. |
 | 1546 haben mehrere tausend
Einwohner über Basel einen Schwarm glänzender Scheiben beobachtet. Das
Ereignis sorgte für Aufsehen im gesamten Abendland. |
1697 flog eine "hell leuchtende, kreisförmige
Maschine mit einer Kugel in der Mitte" über Hamburg und anderen
norddeutschen Orten.
Auch die Bevölkerung Nürnbergs beobachtete in den frühen
Morgenstunden des 14. April 1561 merkwürdige Flugobjekte über ihrer Stadt.
Hunderte von Menschen sahen zwischen vier und fünf Uhr in der Frühe
erschrocken zu, wie unerklärliche Kugeln oder Scheiben am Himmel schwebten. Es
waren Kugeln von blutroter, bläulicher und eisern-schwarzer Farbe oder
Ringscheiben in großer Anzahl in der Nähe der Sonne, etwa drei in der Länge,
manchmal vier in einem Quadrat.,
Am 7. Juni 1779 wurden über Boulogne in
Frankreich "zahlreiche glühende Scheiben" beobachtet.
Elfen.
Das Mittelalter war die Blütezeit der
Elfensichtungen. Noch Heute gehören Elfen zu
Island wie die Berge zu Bayern", sagt Gudrun eine Deutsche, die schon länger
in Island lebt. "Elfen sind wie wir, nur leben sie in einer besseren
Welt, in einer Parallelwelt." In Island gibt es heute noch eine
staatliche Elfenbeauftragte. Es
kommt vor, dass für sie sogar eine Straße umgebaut werden muss.
Agobard, der Erzbischof von Lyon in Frankreich
(8. Jahrhundert), schrieb, dass er eine Menschenansammlung angetroffen habe,
die drei Männer und eine Frau lynchen wollten. Es waren Bewohner des Landes
Magonia, die in Schiffen am Himmel fuhren und hier gelandet waren. Und auch
Menschen entführten.
Eigenschaften der Elfen-
Sie können willkürlich verschwinden und erscheinen.
Sie sind intelligent und neugierig.
Sie haben die Macht. nach Belieben Dinge fortzutragen.
Als die Menschen noch nicht den größten Teil der Welt besiedelt hatten.
lebten diese Geschöpfe auf der Erde und betrieben Ackerbau. Ihre
Zivilisation hinterließ Spuren in den hohen Bergen; sie blühte zu einer
Zeit. da es im ganzen Land nichts als Wälder und Forste gab.
Ihre Häuser sollen angeblich groß und wunderschön sein. doch meist bleiben
sie dem menschlichen Auge verborgen. Kirk vergleicht sie mit verwunschenen
Inseln. Die Häuser haben Lampen. die ewig brennen, und Feuer, die keinen
Brennstoff brauchen.
Ihre Gewohnheiten und ihre Sprache sind wenn
sie es mit Menschen zu tun haben, denen der Einwohner ähnlich.
Die alten
Leute sagen sie wüssten nicht, ob die Elfen aus Fleisch und Blut oder ob
sie Geister seien. Sie wurden als menschenähnliche Wesen angesehen die
viel kleiner waren als wir. Man sagt, Elfen hätten früher normale Menschen
aufgesucht und zu ihnen gesprochen um zu verschwinden, wenn sie
beobachtet wurden. Allgemein hieß es, die Elfen seien Geister, die sich
nach Belieben sichtbar und unsichtbar machen könnten.
Und wenn sie Leute entführten
dann nahmen sie Körper und
Seele mit sich.
Reverend
Robert Kirk ließ keinen Zweifel daran: Einst bewohnten Elfen das Land.
Noch heute glauben viele Leute im Norden Schottlands, dass einst die Sith,
das Elfenvolk (oder das Kleine Volk>, existierte. Der Glaube hat sich in
der Bezeichnung »Gute Nachbarn« gehalten. auch wenn sie sich den Menschen
manchmal feindselig zeigten.
Die
Zeit vergeht dort nicht wie bei uns. In solchen Geschichten stoßen wir auf
die Relativität der Zeit. Wie konnten die Geschichtenerzähler früherer
Zeiten auf eine solche Idee kommen? Was inspirierte sie? Niemand kann
diese Fragen beantworten. Doch es ist eine Tatsache, dass das
unterschiedliche Zeitgefüge zwischen Magonia und unserer Welt in
Geschichten aus allen Ländern eine Rolle spielt
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Hier gibt es eine Leseprobe aus meinem 1. und 2. und
3. Roman "
Buch 1 und Buch 2 wurden auch als
jugendbuchfreie Version umgeschrieben.
Bitte teilt mir eure Meinung der Geschichte mit.
Forum-Formular
Buch 1
Leseprobe Buch 2
Buch 3
Kristian hat Urlaub und ist auf dem Weg zur Burgruine Falkenhorst.
Kristian
plant einen Handel mit römischen Gütern. Gegen ein Rind tauscht er die Waffen
der beim Überfall getöteten
Germanen ein.
Die Museen reißen sich darum.
Expose von Buch 1 und Buch 2
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Ich habe wiederholt gehört dass die
Ichform nicht so gut ankommt. Deshalb habe ich die ersten zwanzig
Seiten umgeschrieben.
Sagt mir ob ihr besser damit klarkommt oder
was euch sonst nicht gefällt.
Siehe
Fantasykorrektur
Buch:1 Leseprobe
Die Tore der Atlanter.
Dem Namen
alle Ehre machend, lag die Burgruine auf einen der höchsten Punkte in
dieser Gegend. Burg war zu viel gesagt, da nur noch bescheidene Reste von
der wohl einstigen Pracht übrig waren. Man konnte noch einzelne
Fensternischen erkennen, die Aussparungen im Mauerwerk, wo einmal die
Tragebalken für die Decken und Fußböden gelegen hatten. Ein halber
Torbogen ragte aus der Mauer hervor und würde sicher bald in sich
zusammenfallen.
Da, wo
vielleicht einmal eine Zugbrücke den Feinden das Eindringen verwehrt
hatte, lag der Rest der Burg jetzt für jeden Besucher frei zugänglich dar.
Einen Graben, falls es ihn einmal gegeben hatte, war längst dem Erdboden
gleichgemacht worden. Trotzdem ließ sich noch erahnen, wie mächtig einst
die Burg ausgesehen haben mochte.
Als ich die
Burg fast erreicht hatte, setzte ich mich mit Blick auf die Burg ins
Gras. Mein Rücken lehnte entspannt gegen einen großen Stein, der
aussah, als würde er seit Anbeginn der Zeit an dieser Stelle verharren und
die vor ihm liegende Burg betrachten.
Ein Blick auf
die vorbeiziehenden Wolken, die Burg vor mir, Sonnenschein und Urlaub, was
wollte ich mehr. Wie von selbst fielen mir die Augen zu. Ich dachte über
das Leben in der Burg nach. Sich vorzustellen, wie die Bewohner ausgesehen
haben mochten, wie sie gelebt hatten.
Eingestimmt
vom Leben auf der Burg, öffnete ich die Augen und blickte verklärt zur
Burg hinüber.
Zuerst
undeutlich und verschwommen sah ich zwischen dem Bergfried und der
Außenmauer, ein seltsames Flimmern. Sicher reflektierte eine zerbrochene
Flasche das Sonnenlicht. Neugierig geworden, konzentrierte ich mich und
sah genauer hin. Plötzlich wurde mir kalt, eine leichte Gänsehaut kroch
über meinen Körper und absolute Stille breitete sich aus. Ich vergaß Raum
und Zeit. So, als schaute man durch ein Guckloch, öffnete sich ein stetig
größer werdender runder Ausschnitt, die Konturen des Randes verschmolzen
im silbrigen Licht. Eine vollständig erhaltene Burg bot sich meinen Augen
dar. Ich wollte es nicht glauben, die Burg in alter Pracht. Der Bergfried
hatte eine Größe, wie ich ihn mir nicht im Traum vorgestellt hätte. Auf
ihn wehte eine Fahne, deren Wappen ich nicht erkennen konnte. Mitten auf
dem Burgplatz, sehe ich einen Brunnen mit einem Dach aus Holzschindeln.
Plötzlich ließ die Stille nach. Das Wiehern eines Pferdes und das Hämmern
auf einen Amboss war zu hören. Ehe ich
wusste, wie mir geschah, begann sich das flimmernde Fenster wieder zu
schließen. Ich dachte noch, jetzt fängst du schon am hellen Tag an zu
träumen und zu fantasieren, als sich das Fenster gänzlich schloss.
Mit einem
Schlag sah ich die traurigen Überreste der Burg wieder vor mir. Etwas war
mit mir geschehen. Ich war mir sicher, dass ich nicht geträumt hatte. So
sehr ich meine Augen auch anstrengte und zur Burg blickte, es änderte sich
nichts mehr. Traurig und verlassen wirkte jetzt das gewohnte Bild der
verfallenen Burg.
Es war mir
nicht neu, das es schon oft vorgekommen war, hauptsächlich an historischen
Orten, dass Personen, die sich gegen altes Gemäuer oder Heiligtümer
gelehnt hatten, sich plötzlich in einer anderen Zeitepoche wieder fanden.
Dort hatten sie Dinge gesehen, die der heutigen Zeit teilweise noch
unbekannt waren. Ich hatte aber nichts dergleichen getan, der Stein hinter
mir, gegen den ich lehnte, konnte wohl auch nicht der Auslöser gewesen
sein, obwohl er sicher schon so mancherlei gesehen hatte.
Die Kälte
wich langsam aus meinem Körper und machte der wohltuenden Wärme der
Sonnenstrahlen Platz. Ich blickte zur Burg.
Mir fiel ein,
dass ich als Auslöser zuerst ein Flimmern zwischen dem Burgfried und der
Außenmauer gesehen hatte. Da ich das Geschehen noch nicht verkraftet hatte
und mir der Schreck noch zu schaffen machte, schob ich weitere
Überlegungen erst einmal beiseite. Auf jeden Fall wollte ich im Moment
nicht mehr zur Burg, weil mir das doch etwas zu unheimlich war.
Unweit der
Burg Falkenhorst, am Talrand mit Blick auf die Burg, wohnte mein Freund
Kurt mit seiner jüngeren Schwester Jessika, der Großvater und Maria die
Haushälterin. Es war das Haus ihrer Eltern, einem alten Anwesen. Es lag
wie auf einem Präsentierteller inmitten grüner Wiesen, rundherum hatte man
freie Sicht, einen Nachbarn gab es nicht. Wenn ich so darüber nachdenke,
das Haus musste bestimmt einige Hundert Jahre alt sein. Hinter dem Haus
steht ein Stall, der auf uralten Fundamenten erbaut war. In ihm standen,
als ich das letzte Mal Kurt besucht hatte, drei Reitpferde. Ein schlanker
Turm aus Bruchsteinen erbaut, streckte
sich in die Höhe, und war an einer Seite mit dem Stall verbunden.
Ich drehte
mich um und sah, dass eine Reiterin in vollem Galopp auf geradem Wege auf
mich zu kam. Jessika, Kurts Schwester, wer sollte es anders sein. Ihre
enge Reithose brachte ihren schönen Körper voll zur Geltung und lenkte
meine Gedanken in eine andere Richtung. Sie brachte ihr Pferd vor mir zum
Stehen und blickte lächelnd auf mich herab. Das lange blonde Haar, welches
sie meistens zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden hatte, wurde jetzt
durch die Reitkappe gebändigt. Obwohl ich sie schon seit unserer Kindheit
kannte, hatte ich eigentlich nie mehr Gefühle für sie empfunden, als einer
Schwester gegenüber. Als ich jetzt in ihre Augen blickte, wurde mir zum
ersten Mal bewusst, dass sich etwas geändert hatte.
»Störe
ich?« fragte sie, »ich wollte dich nicht aus deinen Träumen
reißen.« Was sollte ich erwidern, vielleicht hatte ich doch
geträumt?
Bevor ich
antworten konnte, sprang sie mit einem Satz vom Rücken ihres Pferdes.
»Was
ist passiert, du siehst so blass aus?«
»Was
ich gesehen habe, glaubt mir sowieso keiner, ich kann es ja selbst nicht
glauben.«
»Erzähl
schon.«
Sie setzte
sich zu mir, in einer Hand hielt sie die Zügel. Unsere Blicke trafen sich,
mir wurde zum ersten Mal richtig bewusst, wie schön sie war. Ich atmete
den Duft ihres Parfüms ein.
Da der Stein
nicht viel Platz bot, saßen wir bald eng beieinander, was mir sehr gefiel.
Ich wollte gerade meinen Arm um ihre Schulter legen, da sprang sie auf.
»Was ist denn jetzt, willst du mich nicht in deine Geheimnisse
einweihen?«
»Das
werde ich tun, aber lass mich eine Nacht darüber schlafen.«
»Wie
du willst, wann lässt du dich mal wieder bei uns sehen, wir könnten
zusammen ausreiten?« Eine Antwort nicht abwartend, schwang sie sich
auf ihr Pferd und galoppierte winkend heimwärts. Auch ich beschloss, nach
Hause zu gehen.
Mein Zuhause,
welches Abseits am Dorfrand stand, kam einem kleinen Knusperhäuschen
gleich. Es war alt und die Zimmer waren klein. Günstig hatte ich es
erwerben können, als die vorherige Besitzerin in hohem Alter starb. Ich
kannte sie noch aus meiner Jugendzeit. Oft hatten wir in ihrem Garten
Kirschen und Äpfel gepflückt. Jetzt war es mein Zuhause.
Ich war
fünfundzwanzig Jahre alt und betreute im Dorf eine Jugendgruppe in
Selbstverteidigung und Stockkampf. Heute war mein erster Urlaubstag.
Ich machte
mir einen Kaffee und setzte mich nach draußen auf meine Bank. Die
Obstbäume hingen voll. Leider wusste ich mit dem Obst nichts anzufangen.
Ich hatte schon überlegt, mir ein paar Ziegen anzuschaffen, die das Obst
verwerten und den Rasen kurz halten sollten. Darum würde ich mich später
kümmern. Morgen in der Frühe wollte ich mich erneut zur Burg aufmachen,
danach würde ich weiter entscheiden.
Ich stand
früh auf, weil ich keine Zuschauer wollte, wenn ich mir die Stelle, von
der das Flimmern ausgegangen war, näher in Augenschein nehmen wollte.
Voller
Ungeduld wäre ich am liebsten den ganzen Weg gerannt, meine schweren
Wanderschuhe machten mir dies aber für längere Zeit unmöglich. Angekommen
schaute ich mich im Burghof um. Links das ehemalige Wohnhaus,
leere Fensterhöhlen, auf der rechten Seite der Bergfried, an dem
die Burgmauer lehnte. Nichts deutete auf den gestrigen Vorfall hin. Ich
war mir sicher, dass hier am Bergfried die richtige Stelle war. Mir kamen Zweifel,
vielleicht hatte ich doch alles nur geträumt. Solange ich die
Stelle auch anstarrte, es passierte nichts. Oder doch? Ich hörte Stimmen.
Auch das noch, die ersten Touristen waren schon angekommen.
Ich zog mich
auf die andere Seite zurück. So schnell wollte ich nicht aufgeben. Mir
fiel ein, dass ich bei meiner Meditation die Visualisierung zu Hilfe
genommen hatte. Dies ist eine Technik, die sich der Vorstellungskraft
bedient, um geistige Bilder des jeweils erstrebten Gegenstandes oder
Zustandes zu erzeugen. Je aktiver die Fantasie arbeitet sich ihrer zu
bedienen, desto kraftgeladener wird sie. So wird eine Tür zwischen der
Welt, der gewöhnlichen Wirklichkeit und der geistigen Welt geöffnet. Was
würde passieren, wenn ich diese Technik jetzt und hier anwende? Würden die
Touristen etwas mitbekommen? Wahrscheinlich, denn dieses spielte sich ja
nicht nur in meinem Kopf ab. Ich habe das Flimmern nicht in Gedanken,
sondern mit eigenen Augen gesehen. Um Klarheit zu bekommen, musste ich
einen Versuch wagen. Ich schaute mich um, die Luft war rein, als ich mich
auf die vermeintliche Stelle am Bergfried konzentrierte. In Gedanken
stellte ich mir das Flimmern vor, ähnlich der Spitzen eines lodernden
Feuers oder der Fata Morgana in der Wüste. Ich hatte die Öffnung ja schon
gesehen und konnte sie deshalb vor meinem geistigen Auge entstehen lassen.
Zunächst passierte nichts. Meine Konzentration verstärkend spürte ich
plötzlich ein leichtes Kribbeln auf meiner Kopfhaut, das sich über den
ganzen Körper ausbreitete, je mehr ich mich konzentrierte. Als sich auch
noch eine leichte Gänsehaut einstellte, wusste ich, dass etwas passieren
würde. Plötzlich sah ich das Flimmern. Es war fast durchsichtig und stieg
vom Boden empor. Ein angstvolles Kreischen ließ mich hochfahren, mit der
Konzentration war es vorbei, das Flimmern erlosch.
Ein kleines
Mädchen stand rechts hinter mir. Ich hatte sie nicht kommen gehört. Es
weinte und zeigte auf die Stelle, auf die ich mich gerade noch
konzentriert hatte.
Schnell
schaute ich mich um. Es war sonst keiner in meiner Nähe, der vielleicht
auch etwas gesehen haben könnte. Da kam auch schon der Vater des Kindes,
durch die Schreie seines Kindes alarmiert, angerannt. Sein Gesicht
verdüsterte sich, als er nur sein Kind und mich wahrnahm. Das Kind wollte
sich nicht beruhigen und zeigte immer wieder auf die Stelle, die zu meinem
Glück, nicht in meiner direkten Nähe war. Als der Vater mich wieder
anschaute, zeigte ich ein unschuldiges Gesicht und zuckte nur mit den
Schultern. Der Vater nahm seine Tochter an die Hand und beide verließen
den Burghof. Endlich war die Ruhe wieder hergestellt. Das wäre beinah
schief gegangen. Trotzdem hatte sich der Morgen gelohnt. Ich wusste, wie
ich die Öffnung ins Mittelalter aktivieren konnte, und dass auch andere
diese sahen, und wahrscheinlich auch hindurch gehen konnten, wenn sie
geöffnet war.
Für heute war
der Tag gelaufen. Der nächste Besuch hier musste abends, besser nachts
stattfinden. Zum einen, weil ich dann sicher sein konnte, dass mir keine
Touristen in die Quere kamen, zum anderen konnte ich nur im Dunkeln durch
das Tor in die Vergangenheit gehen, da ich nicht wusste, was mich auf der
anderen Seite erwartete. Ziemlich aufgeregt wäre ich am liebsten zu
Jessika gerannt, um ihr alles zu erzählen. Irgendwann würde ich sowieso
nicht mehr daran vorbei kommen. Vielleicht hatte sie den Zwischenfall vom
Vortag, als wir uns am Stein trafen, auch schon vergessen. Anderseits war
es vielleicht sinnvoll, wenn jemand wusste, was ich vorhatte. Was wäre,
wenn ich es nicht schaffen würde, aus der anderen Welt zurückzukommen. An
diese Möglichkeit mochte ich gar nicht denken. Bevor ich mich auf das
Abenteuer einlassen würde, musste ich zumindest eine Nachricht
hinterlassen und Jessika oder jemand anderes, so weit wie nötig einweihen.
Ich drehte mich um und machte mich auf den Heimweg. Noch ganz gefangen vom
Geschehenen, schaute ich rechts auf die andere Seite ins Tal hinunter zum
Haus von Jessika. Sicher war sie jetzt zu Hause. Da ich sonst nichts
vorhatte, konnte ich sie genau so gut besuchen. Vielleicht traf ich auch
Kurt an, den ich schon länger nicht mehr gesehen hatte. Kurt war
Immobilien-Makler und deshalb viel unterwegs, ebenso wie seine Eltern. Von
Kurt hatte ich auch den Tipp erhalten über den Kauf meines späteren
Hauses.
Kurts Haus
war von einem hohen schmiedeeisernen Zaun umgeben. Vom Eingangstor aus,
durch eine kleine Parkanlage getrennt, lag das Haus etwas höher.
»Warum
kommst du nicht herein,« tönte es hinter einen Bambusstrauch
hervor, »warst lange nicht hier.« Eine Harke in der Hand und
eine Zigarre im Mund kam mir Kurts Großvater John entgegen. Wir sagten
alle nur Großvater zu ihm, was ihn nicht im Geringsten störte. Er hatte
ein freundliches Gesicht, das von einem Bart eingerahmt war. Trotz seines
hohen Alters von über achtzig Jahren, war er noch gut beisammen. Ich
konnte mir gar nicht vorstellen, dass er jemals anders ausgesehen hätte.
Schnuppernd hebt er seine Nase. »Riechst du es auch? Maria hat
einen Kuchen gebacken.« Maria war die Köchin und
Haushälterin in einem. Hungrig wie ich
war ließ ich es mir nicht zweimal sagen. Eine breite hohe Treppe führte zu
einer zweiflügeligen Eingangstür, umgeben von Wildem Wein. Jessika hatte
uns durch das Fenster gesehen und kam uns durch die Tür entgegen. Wie
nicht anders zu erwarten mit ihrem lustig tanzenden Pferdeschwanz, ihrer
weißen Bluse und einer engen Jeans. Es war schon ein erfreulicher Anblick.
Ich lachte sie an, »ich war oben auf der Burg, als ich an deine
Einladung dachte.«
»Seit
wann brauchst du eine Einladung, du weist, dass du immer willkommen bist.«
Großvater grinste, nahm einen tiefen Zug von seiner Zigarre, und
verschwand hinter einer grauen Wolke. »Nun kommt schon herein.«
Jessika
packte meine Hand und zog mich hinter sich her. »Bist du immer so
stürmisch?« fragte ich, hielt aber weiter ihre Hand fest
umschlossen, weil es mir gefiel, ihre Hand zu halten. Wir durchquerten die
hohe holzgetäfelte Eingangshalle. Das verblichene Holz schaffte eine
dunkle Atmosphäre. Fasst wie in einer Burg, waren die Wände mit
mittelalterlichen Gegenständen dekoriert. Selbst eine Ritterrüstung fehlte
nicht. Ich erinnerte mich, dass Kurt und ich früher versucht hatten, diese
Rüstung anzulegen. Wir hatten erfahren, dass ein neuer Briefträger seinen
Dienst antreten wollte. Kurt hatte eine Stunde in der Rüstung verharrt,
ehe sich sein Opfer näherte. Da für ihn alles neu war, stand er bald in
der Halle und schaute sich neugierig um. Natürlich interessierte ihn auch
der einsame Ritter. Die Hände auf das Schwert gestützt, stand Kurt jetzt
hier, immer mit der Erwartung ein Opfer möge endlich erscheinen. Er tat
einen schweren Seufzer. Der Postbote zuckte zusammen, schaute zuerst den
Ritter an, dann hinter sich. Er näherte sich wieder dem Ritter. Ein
breites Visier und der Helm verdeckten Kurts Gesicht.
Der Postbote
ging auf Nasenlänge an das Visier heran und schaute durch den schmalen
Schlitz, der die Augen bedeckte. Als er die Bewegung und das Weiße in
Kurts Augen sah, erschrak er so, dass seine Hände vorschnellten, als wolle
er ein Gespenst von sich wegstoßen. Kurt, durch das lange Stehen
geschwächt, hob das Schwert um die Balance zu halten. Er trat einen
Schritt zurück, die Schwertspitze zeigte auf die Brust des Postboten. Um
das Gleichgewicht zu halten, hob Kurt das Schwert mit beiden Händen als
wollte er ihm den Kopf abschlagen. Mit weit aufgerissenen Augen floh der
Postbote schreiend aus dem Haus und wurde nicht mehr gesehen. Dieses war
wörtlich zu nehmen, da beim nächsten Mal ein anderer Postbote erschien.
Mittlerweile
waren wir in der Küche angekommen. Jessika versuchte meine Hand los zu
lassen. Ich lachte sie an, zog sie näher an mich heran. Sie blickte mich
überrascht an, wusste nicht, was sie davon halten sollte. »Kinder,«
sagte Großvater, »nun setzt euch doch endlich an den Tisch.«
Der Tisch war groß, auf der langen Seite hätten je fünf Personen Platz
gehabt. Jessikas Eltern hatte nie viel Wert auf Etikette gelegt. Solange
keine Gäste im Hause waren, aß man lieber in der Küche als im Esszimmer.
Sie reisten viel und waren deshalb zurzeit nicht anwesend.
»Maria,«
sagte Großvater, »wir alle haben den lieblichen Duft deines Kuchens
gerochen, jetzt zeige uns, dass er auch so gut schmeckt.« Maria
schüttelte den Kopf.
»Großvater,«
sagte ich, »wo ist der Brunnen geblieben, der mitten im Burghof
stand?«
»Woher
weißt du, dass da einer gestanden hat?« fragte er.
»Soviel
ich weiß, hat es da nie einen gegeben aber es gibt hier irgendwo einen
alten Stich, vielleicht findest du da, was du suchst.«
»Den
meine ich nicht,« sagte ich, »darauf ist kein Brunnen zu
sehen.«
»Vielleicht
steht etwas in dem uralten Buch, das in der Truhe der Bibliothek liegt«
sagte Jessika.
»Hast
recht,« meinte Großvater, »in dem alten Buch.« In der
Zwischenzeit war Jessika schon aufgestanden, um das Buch zu holen. Es sah
wirklich alt und vergriffen aus. Vielleicht gehörte sie von Anfang an zum
Haus. Vorsichtig wurde die erste Seite aufgeschlagen. In Ermangelung von
Papier hatte jemand die Ansicht des Burghofs auf die zweite Seite gemalt.
Ein Blick genügte, um den Brunnen zu erkennen. Jessika und Großvater
blickten mich ungläubig an.
»Mein
Junge,« sagte er, »hast du das Buch schon mal in deine Hand
gehabt?«
Was sollte
ich sagen, wenn ich mein Geheimnis noch nicht preisgeben wollte?
»Bestimmt
nicht,« sagte ich, »das Buch sehe ich heute zum ersten Mal.
Ich war heute im Burghof, und mir war, als hätte dort ein Brunnen
gestanden.«
»Wie kommst
du darauf?« fragte Großvater, »ich habe dort noch nie einen Brunnen
gesehen.« Maria hatte schweigend zugehört.
»Erinnerst
du dich,« sagte ich zu Jessika, »gestern, als wir uns trafen
fragtest du, warum ich so blass ausgesehen habe, da ist es passiert, ich
habe den Brunnen in der Burg gesehen.« »Vielleicht war es
ein Traum,« schwächte ich ab, obwohl ich es besser wusste, »aber
den Brunnen habe ich gesehen.«
»Lernt
man das in der Meditation?« fragte Jessika, »wann kannst du
mir das beibringen, ich will den Brunnen auch sehen.«
»So
schnell geht das nicht, außerdem wolltest du nie etwas davon hören.«
Ich hoffte, dass ich ihr damit erst mal die Luft aus den Segeln genommen
hatte.
»So
leicht kommst du mir nicht davon,« sagte sie, »du
verschweigst mir etwas.«
Ich stand auf
und kam ihr ziemlich nah. Mein Blick in ihre Augen ließ sie verstummen.
»Was
soll das, willst du mich hypnotisieren?«
Verunsichert
ging sie einen Schritt zurück.
»Ich
muss jetzt gehen,« sagte ich. »Maria, vielen Dank, der
Kuchen hat wirklich gut geschmeckt.«
Großvater
hatte es plötzlich eilig.
»Kinder,«
sagte er, nachdem er seine Kaffeetasse mit einem Schluck leerte, »ich
muss jetzt mein Mittagsschläfchen halten, wir sehen uns.«
»Was
soll denn dass?« fragte Jessika, »gerade, wo es spannend
wird, verkrümelt ihr euch.«
Jessika sagte
nichts, als ich sie verließ und durch die Halle nach draußen ging. Nicht
mehr an Großvater denkend, zog dieser mich plötzlich zur Seite, als ich
durch das Tor gehen wollte.
»Mein
Junge, egal was du vorhast, ich bin dabei.« „Vielleicht ist es
besser wir reden jetzt darüber,“
dachte ich, wer weiß, was noch passiert.“
»Komm,
wir gehen zu den Pferdeställen, dort können wir in Ruhe reden.«
Großvater
machte große Augen, als ich ihm meine Geschichte erzählte.
»Was
willst du als Nächstes machen?« fragte er.
»Ich
werde heute Nacht durch das Tor gehen, falls ich nicht wieder zurückkomme,
weißt du, dass etwas passiert ist. Erzähle keinem etwas.«
Wie man das
Tor öffnete, verschwieg ich vorsichtshalber. Großvater brachte es fertig
und marschierte durchs Tor hinter mir her.
»Wenn
alles gut geht, komme ich morgen wieder vorbei.«
»Endlich
ist mal wieder etwas los,« sagte er, »ich drück dir die
Daumen.«
Es war jetzt
später Nachmittag. Einige Dinge musste ich mir noch kaufen. Ich überlegte,
frische Batterien für meine Taschenlampe, etwas zu essen und zu trinken,
falls ich einen Tag länger bleiben musste.
Ein Hupen
hinter mir ließ mich erschreckt zusammenfahren und zur Seite springen.
Jessika drehte das Fenster von ihrem kleinen Geländewagen herunter.
»Ich
muss sowieso ins Dorf, da habe ich mir gedacht, dass du sicher froh bist,
wenn du nicht zu Fuß gehen musst.« Ich stieg in ihr Auto und wollte
ihr gerade danken, als sie sagte: »Meint ihr vielleicht, ich sei
blöd und habe nicht gesehen, wie ihr beide noch zu den Pferdeställen
geschlichen seid. Großvater ist wie verwandelt, er strahlt über das ganze
Gesicht. Das müssen ja sehr wichtige Geheimnisse sein, die ihr vor mir
verbergen wollt.«
»Beruhige
dich, Großvater wollte, dass ich ihm etwas besorge, und ich habe ihm
versprochen, mit keinem darüber zu reden.« Nach fünf Minuten Fahrt
sagte ich: »Du kannst mich hier rauslassen, ich muss noch ein paar
Dinge einkaufen.«
Wütend
darüber, nichts Neues erfahren zu haben, trat Jessika auf die Bremse.
»Vielleicht
schaue ich morgen wieder bei euch vorbei.« Ich stieg aus, und bevor
ich noch etwas sagen konnte, gab sie Gas. Statt noch Einkäufe zu
erledigen, wendete sie und fuhr den gleichen Weg zurück. So ein Luder
dachte ich, sie wollte mich nur aushorchen. Die Einkäufe hatte ich schnell
hinter mich gebracht. Wer weiß, was mich erwartete. Zu Hause angekommen
packte ich alles in meinen Rucksack und machte mir etwas zu essen. Den
Wecker stellte ich auf dreiundzwanzig Uhr und legte mich angezogen auf
mein Bett, worauf ich auch bald einschlief. Das laute Schrillen des
Weckers ließ mich hochfahren.
Ich merkte,
wie ich zunehmend nervöser wurde. Jetzt zu kneifen kam für mich nicht
infrage. In einer dreiviertel Stunde würde ich den Tatsachen ins Auge
sehen müssen.
Das Auto zu
nehmen schien mir zu verdächtig. Zu dieser Zeit würden die
Autoscheinwerfer auf den Weg zur Burg eventuell jemand neugierig machen.
Die Zeit war ja auch so eingeplant, dass ich kurz vor vierundzwanzig Uhr
durch das Tor gehen würde. Es war frisch und ich war froh, dass ich meinen
dicken Pullover angezogen hatte. Der Mond hatte ein Einsehen mit mir,
sodass ich die Batterien der Lampe schonen konnte.
Ein wenig
unheimlich ragten die Umrisse der Burg bald vor mir auf. Nachts war ich
noch nie hier gewesen, alles wirkte so bedrohlich.
Im Burghof
angelangt, stellte ich mich sogleich auf die Stelle, wo ich gestern das
Flimmern gesehen hatte. Ehe ich es mir anders überlegen konnte, setzte ich
mit aller Kraft die Öffnungszeremonie in Gang. Das Flimmern zu meinen
Füßen breitete sich aus, silbriges Licht erhellte die Stelle. Ein leichtes
Frösteln stellte sich ein, es formte sich ein wabernder flimmernder
pulsierender Ring. Um mich tat sich eine Öffnung auf die immer größer
wurde. Auf der anderen Seite der Öffnung war es genau so dunkel wie vor
der Öffnung. Abrupt wurde mir klar, dass sich etwas verändert hatte, als
ich einen Schritt vortrat. Ich blickte an mir herunter. Kein Flimmern, es
war sehr dunkel, der Mond schien hinter einer Wolke verschwunden zu sein.
Ich sah das Tor nicht mehr und wollte schon zur Taschenlampe greifen, als
ich neben mir ein lautes Schnaufen vernahm. Erschrocken trat ich einen
Schritt zurück, stieß dabei gegen einen Holzeimer, der umkippte. Ein Pferd
wieherte laut und schlug nach hinten gegen die Stallwand. Mir war
inzwischen klar, dass mir der Übergang ins Mittelalter gelungen war. Das
Geräusch eines zurückgleitenden Riegels erinnerte mich daran, wo ich war.
»He,
ganz ruhig,« tönte es von vorne, mit einer hölzernen Lampe, in der eine
Kerze brannte, schlurfte ein älterer Mann die Pferdeboxen entlang. Gerade
noch rechtzeitig ging ich mich bückend hinter einen Heuhaufen in Deckung.
Jetzt erst fiel mir auf, dass der Dialekt des Mannes schon etwas
merkwürdig klang. Die älteren Leute in meinem Dorf sprachen auch noch
einen Dialekt, den ich wohl verstand. Dieser hier klang wieder anders,
aber doch irgendwie noch verständlich. Da die Pferde sich beruhigt hatten,
schlurfte der, ich nehme mal an, dass es ein Wächter war, wieder heraus.
Aufatmend erhob ich mich und ging auf die Tür zu. Ein Schiebebalken, der
von beiden Seiten bewegt werden konnte, verschloss die Tür. Ich schaute
mich um. Um was sehen zu können, musste ich meine Lampe einschalten.
Wohlweislich hatte ich eine Lampe aus Bundeswehrbeständen mitgenommen,
weil man hier einen roten oder grünen Filter vor den Reflektor schieben
konnte. Im grünen Licht zählte ich 8 Pferdeboxen. Eine Leiter führte nach
oben. Ich stieg hoch, und erkannte mehrere kleine Verschläge mit Türen. So
leise wie möglich öffnete ich eine Tür nach der anderen. Rechts und links
lagen Strohhaufen aufgeschichtet, teilweise mit einer Decke abgedeckt. An
der Stirnwand, das musste die Burgmauer sein, war ein doppeltes Regal
angebracht. Für einen Tisch war kein Platz mehr. Den letzten Verschlag
wollte ich mir schon ersparen, als ich Atemzüge hörte. Vorsichtig machte
ich die Tür auf und sah einen Jungen von vielleicht 16 Jahren. In
ärmlicher Kleidung lag er auf seinem Strohlager. Leise schloss ich die Tür
und stieg die Leiter wieder herunter. Da ich ein sicheres Versteck
brauchte, schaute ich mich weiter um. Der linke hintere Teil war
abgetrennt für Heu und Stroh. Da der Stall sonst kein Versteck zu bieten
hatte, wühlte ich im Strohlager einen Gang bis zur äußeren Stallwand. Mit
dem Rücken drückte ich so lange das Stroh zur Seite, bis sich eine Höhle
gebildet hatte. Durch die seitliche Bretterwand hatte ich einen
eingeschränkten Ausblick auf den Hof. Da ich wegen der Dunkelheit nichts
Genaues sehen konnte, beschloss ich, mich draußen umzusehen. Die Außentür
war durch den hölzernen Holzriegel geschlossen. Leise schob ich den Riegel
zurück. Draußen herrschte absolute Stille, kein Feuerschein erhellte die
Fensteröffnungen. Links von mir musste das Burgtor sein, auf das ich mich
leise zu bewegte. Die Stille wurde jäh durch laute Schnarchtöne
unterbrochen. Ein Schatten draußen an der Wand verriet mir die Stelle, an
der ein Wächter hockte. Ein Schwert lag neben ihm. An dem Wächter
vorbeiblickend, sah ich, dass das Fallgitter heruntergelassen war. Dass
ich durch das Fallgitter hindurchblicken konnte, sagte mir, dass die
Zugbrücke nicht hochgezogen war, was wiederum bedeutete, dass friedliche
Zeiten herrschen mussten. Es wäre ja zu schön gewesen, wenn ich einfach
durch das Tor hätte gehen können. Erst beim Zurückgehen entdeckte ich das
zweiflügelige Burgtor, welches ebenfalls offen stand. Ein Flügel hatte auf
der einen Seite noch einen kleinen mannshohen Durchgang, der mit einer Tür
geschlossen werden konnte.
Eigentlich
hätte ich mich mit der ersten Erkundung zufriedengeben können. Ich
überlegte, ein zweiter Erkundungstag würde mich auch nicht weiter bringen.
Um die Burg verlassen zu können, brauchte ich Hilfe von innen. Ich konnte
schließlich nicht einfach durch das geöffnete Tor spazieren, falls es
geöffnet würde. Der schlafende Junge im Stall war meine einzigste
Möglichkeit, wenn ich die Burg nicht über die Burgmauer verlassen wollte.
Leise ging ich wieder in den Stall und stieg die Leiter nach oben. Der
Junge lag auf dem Rücken in tiefem Schlaf. Gleichzeitig drückte ich eine
Hand auf seinem Mund, während die Andere seinen Brustkorb nach unten
drückte. Erschreckt durch das wenig freundliche Aufwecken fuhr der Junge
hoch. Meine Lampe, die mit einem Clip an meiner Brust geheftet war,
verbreitete ein rötliches Licht. Erschreckte weit aufgerissene Augen
blickten mich an. Rotes Licht musste für ihn Feuer bedeuten, die Hand auf
seinen Mund bedeutete sicher ein Überfall. Ich musste meine ganze Kraft
einsetzen, um den in Panik geratenen Jungen unten zu halten.
»Ruhig,
ruhig,« sagte ich mehrmals, nicht wissend, ob er mich überhaupt
verstand. Als er merkte, dass langsam der Druck auf seine Brust nachließ,
entspannte er sich merklich. Schließlich gab ich seine Brust frei und
hielt einen Finger auf meinen Mund. Nickend gab er zu verstehen, dass er
mich verstanden hatte. Langsam nahm ich meine Hand von seinem Mund.
Abwartend
blickte er mich an. Um keine weitere Panik aufkommen zu lassen, wühlte ich
in meine Taschen. Ein paar Kekse, noch verpackt, hielt ich ihm hin.
Sicherlich konnte er sich nicht im Entferntesten vorstellen, was ich ihm
da hinhielt. Ich entfernte also die Verpackung und biss in einen Keks. Der
Bissen war noch nicht heruntergeschluckt, als mir schon die Kekse aus der
Hand gerissen wurden. Beide Hände zu Hilfe nehmend, verschwanden die Kekse
nacheinander in seinen Mund. Auf jeden Fall schien ihm mein
Versöhnungsgeschenk zu schmecken.
»Ich
heiße Kristian,« sagte ich, und zeigte auf meine Brust. Mit seinem
Finger auf sich deutend sagte er nur: »Johannes.«
Froh über die
schnelle Verständigung zog ich nochmals Kekse aus meiner Tasche und hielt
sie ihm hin. Im Nu hatte er die Verpackung aufgerissen und den Inhalt in
seinen Mund geschoben. Ich hatte jetzt Gelegenheit, mir den Jungen näher
anzuschauen. Er schien eher fünfzehn wie sechzehn Jahre alt zu sein und
hungrig dazu. Geschichtlich hatte ich mich nicht auf meinen Ausflug
vorbereitet, deshalb wusste ich eigentlich nichts über das Mittelalter.
»Wo
kommst du eigentlich her?« fragte mich jetzt der Junge in seinem
eigentümlichen Dialekt. Ich konnte ihn gut verstehen. Erfreut darüber,
dass es keine großen Verständigungsprobleme geben würde, fiel mir ein
Stein vom Herzen und ich wich seiner Frage aus.
»Kannst
du mir helfen aus dem Burghof heraus zu kommen?« fragte ich ihn
stattdessen.
»Das
geht jetzt nicht, das Fallgitter ist unten, vor morgen früh kann keiner
die Burg verlassen.« Er blickte mich von oben bis unten an, und mir
wurde bewusst, dass ich sofort auffallen würde. Johannes hatte einen mit
Ärmel versehenen Rock an, der vorne geschlossen war, mit einem Schlitz,
der nur so groß war, dass der Rock über den Kopf gezogen werden konnte.
Die Hose war eine Art Kniehose. Mehrfach geflickt schien sie ihn durch die
Hälfte seines Lebens begleitet zu haben. Zwei strumpfartige Unterteile
hatte er bis über die Knie hochgezogen. Vor seinem Bett standen seine
Schuhe. Sie waren aus einem Stück Leder geschnitten. Durch Löcher am Rand
des Leders konnte das Leder um den Fuß geklappt und wie normale Schuhe
geschnürt werden.
»Kannst
du mir Sachen zum Anziehen besorgen, damit ich nicht auffalle? Du bekommst
sie bestimmt wieder.« Die Stirn in Falten gelegt, schien er zu
überlegen. Johannes stand schließlich auf und ging zu einer Kiste, die
neben seinem Bett stand. Er hob den Deckel und holte mehrere Teile heraus,
die etwas besser aussahen als die, die er gerade anhatte.
»Pass
auf die Sachen auf,« sagte er, »das sind meine Besten, ich
will sie wiederhaben.«
»Johannes,«
sagte ich, während ich mich umzog, »vorerst darfst du keinem etwas
von mir erzählen. Ich bringe dir auch etwas zu essen mit.«
»Ist
gut,« antwortete er. »Morgen früh werde ich dich aus der
Burg bringen. Aber ich verstehe nicht, wie bist du überhaupt in die Burg
gekommen, das wäre doch aufgefallen?«
»Das erzähle
ich dir später, ich möchte mich draußen nur etwas umsehen, abends musst du
mich wieder hierher zurückbringen. Sollte etwas dazwischen kommen oder ich
bin nicht am Treffpunkt, dann musst du es am nächsten Tag noch mal
versuchen.«
»Schon
gut,« sagte er, »heute früh versteckst du dich in meinem
Karren, mit dem ich den Pferdemist nach unten bringe. Abends hole ich
frisches Heu damit nach oben.
»Unter
Mist begraben zu sein gefiel mir überhaupt nicht, eine andere Möglichkeit
schien es aber wohl nicht zu geben.

Der Pferdeknecht Johannes hilft ihm die Burg zu
verlassen. Nach einem Sturz lernt er die Heilerin Hanna kennen die ihn mit in
ihre Hütte nimmt. Auf dem Rückweg zur Burg rettet er einen kleinen Mann ,
der sich nach seiner Rettung in Luft auflöst. Johannes, der ihn wieder in die
Burg zurück bringt, erzählt ihm, dass das ein Elfe war und die Elfen eine gute
Tat belohnen. Bei einem weiteren Besuch zur Heilerin Hanna erfährt er, dass er
dem König der Elfen das Leben gerettet hat. Ihm zu Ehren findet bei Hanna der
Heilerin ein Fest statt wo er vom König ein Amulett erhält welches ihm
ermöglicht u.a. ohne den Umweg über die Burg, in beide Zeiten hin und her zu
springen. Kristian lernt den Grafen Falkenhorst, die Tochter Isabel und Sohn
Albert kennen. Isabel erkrankt, Kristian nimmt sie mit in seine Zeit und bringt
sie dort in ein Krankenhaus. Mit Hera dem Bruder der Elfenkönigin sorgt
Kristian in seiner Zeit für einige Verwirrung. Kristian erfährt, dass sich das
Königreich der Elfen in einer Parallelwelt befindet und von Außerirdische als
Stützpunkt angeflogen wird. Hier lernt Kristian die Alien Cyro und Systra
kennen, von denen er die Fähigkeit des Gedankenlesens erhält. Hiermit spürt er
die “ verlorenen Kinder“ in seine Welt auf, einer Versuchsreihe der Alien, und
stellt eine Verbindung zu ihren Schöpfern her. Bei einem Besuch mit Cyro in
Gromlake , einem amerikanischen Geheimstützpunkt, geht er in Aliengestalt mit an
Land. Kristian, der als außerirdischer „Edra“ auftritt hat vielfach die
Gelegenheit, seine Kräfte zum Wohle der Menschen einzusetzen. Lena die
Reporterin, kennt Kristians Geheimnis und schreibt über die Abenteuer von „Edra
dem Außerirdischen“ in ihrer Zeitung.
Cyro das Alien nimmt Kristian mit zu seinem Planeten
wo er die Frau Eurone, ein blondes Mischwesen und dessen Tochter Lana
kennen lernt. Eurone aktiviert seine Heilungskräfte, mit denen er bald darauf
einen todkranken Jungen heilt. Eurones Tochter Lana, besucht Kristian bei sich
zu Hause. Kristian bringt die Ärztin Kristel, die eine neue im Bund
ist, zu Eurone, damit auch bei ihr die Kräfte des Heilens erweckt werden.
Kristian hatte von Hera dem Bruder der Elfenkönigin
erfahren, dass es noch mehr Tore geben soll. Nach einigen Versuchen öffnet er
ein Tor in die Römerzeit. Das Tor befindet sich auf einem heiligen
Germanenhügel. Im Dorf lernt er den Germanen Godwin und seine Frau Alrun kennen.
Godwin führt ihn zum nächsten Kastell der Römer. Während eines Besuchs mit
seinen Freunden im Kastell, greift der Germane Gerwin mit seinen Leuten das
Kastell an. Es gibt viele Tote auf beide Seiten. Kristel die Ärztin, hilft dem
römischen Lagerarzt so gut wie sie kann. Als Gerwin den Kampf abbricht, helfen
sie auch den Germanen ihre Verwundeten zu versorgen.

Plötzlich
stand Hera im Raum. »Mensch Hera,« sagte ich, nachdem Maria
erschreckt aufgeschrien hatte, »kannst du uns nicht vorwarnen, wenn
du kommst?«
»Ich
bin mit einem königlichen Auftrag hier. Der König bittet dich, umgehend
bei ihm zu erscheinen.«
Das hört sich
mächtig wichtig an,« sagte ich. Ich wartete darauf, dass Hera mir
jetzt erklärte, was der König von mir wollte. Den Gefallen tat er mir
nicht. »Komm,« sagte er, fasste mich an und ich fand mich in
einer unbekannten Welt wieder. Hera ließ mir keine Zeit, mich umzusehen.
Er schob mich in einen Kuppelbau, einer von vielen. Der König löste sich
aus einer Gruppe und kam lächeln auf mich zu. »Kristian, es ist
schön, dass du kommen konntest.« „Konntest ist gut“, dachte
ich mir. »Ich möchte dich mit den Raumschiffführern bekannt machen.«
Nacheinander begrüßte ich die Männer. Zum Schluss blieb noch einer übrig.
Er drehte sich zu mir um. Das war ein echter Schreck. Zwei schwarze große
mandelförmige Augen blickten mich an. Ich blickte Hera an, »der ist
echt?« Er nickte. Wieder blickte ich in die riesigen Augen. Keine
Regung verriet, was in ihm vorging. Ich betrachtete ihn genauer. Seine
Nasenlöcher ruhten unter einer leichten Erhöhung. Der Mund lippenlos, nur
ein Schlitz. Seitliche Öffnungen im Kopf deuteten auf Ohren hin. Die
Hautfarbe eher beige wie grau. Er steckte in eine silberne einteilige
Kombination. Die Körpergröße entsprach der der Elfen, vielleicht etwas
größer. »Das ist Cyro, er wird dich heute Abend mitnehmen,« sagte
der König. Ich hielt ihm meine Hand zur Begrüßung hin. Cyro hielt mir
seine ausgestreckte Hand entgegen. Ich machte es ihm nach und streckte ihm
meine Handfläche entgegen, worauf er seine dagegen drückte. Ich erschrak,
als ich nur vier Finger an seine Hand erblickte. Die Stimme des Königs
unterbrach mich aus meinen Betrachtungen. »Willst du überhaupt mit?«
Was für eine Frage, sicher wollte ich, die Frage war nur, wohin? Ich
nickte.
»Dann
bis heute Abend.«
»Komm,«
sagte Hera und zog mich weg. Noch ein Blick zu Cyro. Ich war mir nicht
sicher, ob er mich anblickte. Mir war aber klar, dass er versuchen würde,
meine Gedanken zu lesen. Ich hatte in der Meditation gelernt, einen
gedankenlosen Zustand zu erreichen. Ich konzentrierte mich auf seine Augen
und schaltete meinen Gedankenstrom ab. Hera versuchte wieder, mich
wegzuziehen. Ich schüttelte ihn ab. Mein Blick war weiter auf Cyro
gerichtet. Einer Kraftprobe gleich, hielt jeder des anderen Blickes stand.
Dem König und seine Begleiter fiel unser Verhalten auf. Verwundert
schauten sie dem Schauspiel zu. Ich machte dem ein Ende und sagte in
Gedankenform »bis bald,« und war nicht erstaunt, dass das
„bis bald“ wie ein Echo zu mir zurückkam. Die Hand hebend, ließ ich mich
dann von Hera nach draußen ziehen. »Was sollte das denn eben
bedeuten?« fragte Hera.
»Ich
wollte Cyro nur zeigen, dass er nicht zu jeder Zeit in meinen Gedanken
herumstöbern kann.«
Erst jetzt
bemerkte ich, wohin Hera mich geführt hatte. Hintereinander aufgereiht
standen hier Raumschiffe verschiedenster Bauart. Die typische
Untertassenart aber auch in Zigarrenform. Auch die Größe variierte. »Mit
diesem wirst du heute fliegen,« sagte Hera und blieb vor einer
Untertasse stehen mit ungefähr acht Meter Durchmesser. Es gehörte zu den
kleinen Raumschiffen hier.
»Hera,
was ist, wenn wir heute losfliegen, bleiben wir dann in eurem Zeitalter?«
»Das
spielt für Raumschiffe keine Rolle. Du musst Cyro nur sagen, wo du hin
willst.« Für mich war das alles verwirrend, hatte ich doch schon
mal daran gedacht, wenn Hera in mein Zeitalter springt, ihm theoretisch
seine Nachfahren über den Weg laufen könnten. Ich blickte zu dem
Raumschiff hoch. Es stand auf vier Stelzen. Die Metallflächen blinkten
silbermetallisch. Die Fläche wie aus einem Guss. Im äußeren Rand waren
Lichter eingelassen. Hier zu stehen und ein UFO anzufassen, war schon ein
gutes Gefühl. »Wo kommt Cyro her?« fragte ich. »Cyro`s Rasse
ist eine von vielen. Wir respektieren uns. Mit einigen tauschen wir unser
technisches Wissen aus. Deshalb ist Cyro hier.«
»Und
warum schließt ihr uns Menschen aus?«
»Wer
sagt denn, dass wir das tun?«
»Mit
meinem Land habt ihr bestimmt keinen Kontakt.« Hera sagte nichts.
»Es sind die Amerikaner, stimmt`s?«
»Vielleicht.«
Ich musste daran denken, dass schon oft darüber berichtet wurde, dass die
Amerikaner mit Außerirdische zusammenarbeiten und diese ihren
Entwicklungsstand nur ihnen zu verdanken haben. »Warum nicht wir?«
fragte ich ihn.
»Denke
an den letzten Krieg.
Wenn deine
Leute unsere Technik gehabt hätten, wäre der Krieg noch schrecklicher
geworden.«
»Das
ist lange vorbei,« wand ich ein. »Wo sind wir hier
überhaupt?«
»In
einer Parallelwelt.«
»Und
ihr lebt hier?« »Ja.« Schwer zu glauben, dass es zwei
Welten an einer Stelle gab, ohne dass man sich begegnete. »Kann ich
jetzt auch in diese Welt springen?«
»Erst
wenn der König deine Berechtigung erweitert. Komm, ich zeige dir, wo meine
Leute leben.« Hera sprang mit mir zu seinen Leuten. Es war eine
Riesenstadt. Die Häuser waren nur ein bis zwei Stockwerke hoch. Alle waren
Kuppelbauten, wie ich sie schon kannte. Jedes Haus war von einer
Grünfläche umgeben. Fahrzeuge störten nicht das friedliche Bild, da jeder
hinspringen konnte, wohin er wollte. In der Mitte der Stadt auf einem
Hügel stand ein größeres Haus. Hera sprang mit mir in dessen Park.
Wasserspiele und Säulengalerien säumten den Weg. Wir gingen über Treppen
zum Haus. Die Tür stand offen. Eine große Halle tat sich auf. Eine
halbhohe Treppe teilte den Raum in zwei Ebenen. Den höheren Teil konnte
man nicht einsehen, weil eine Wand aus grünen Pflanzen die Sicht
verdeckte. Hera legte den Finger auf den Mund und ging durch eine Tür in
den hinteren Teil. Ich hörte einen Aufschrei. »Musst du mich so
erschrecken,« ich erkannte die Stimme von Shie der Königin.
»Ich
habe Besuch mitgebracht.«
»Nun
sag schon,« dann hatte sie mich entdeckt. »Kristian, ich
freue mich, dich zu sehen.« Sie umarmte mich.
»Kommt
setzt euch.« Shie gab einer Frau, die erschien, den Auftrag, etwas
zu trinken zu bringen. »Was machst du hier?« fragte Shie.
»Hera
hat mich hergebracht, ich darf in einem Raumschiff mitfliegen.«
»Weist
du schon, wer das Raumschiff führt?«
»Ja,
Cyro.»
»Oh,
ich kenne Cyro,« sagte Shie. »Stört es euch nicht, wenn
jemand eure Gedanken liest?« fragte ich.
»Wir
können unsere Gedanken abschirmen.« Die Frau brachte eine Karaffe
und drei Gläser. Shie füllte sie. »Auf dein Wohl,« sagte
sie. Ich war überrascht, ein leichter Fruchtgeschmack mit einem Anteil
Alkohol. »Das schmeckt wirklich gut.«
»Du
musst aufpassen, da du heute noch fliegen willst, bekommst du nur ein Glas
voll. Das Getränk steigt einem schnell in den Kopf.«
»Ihr
wohnt schön hier,« sagte ich. »Hera sagte, dass du eine
Freundin hast?« fragte Shie, »das nächste Mal bringst du sie mit,
damit wir sie kennenlernen können.« Ich wusste jetzt schon, dass
Jessika es nicht abwarten konnte, wenn sie es erfuhr.
»Ich
danke dir für die Einladung.« Ich blickte mich um, die Wände waren
mit Bildern geschmückt. Der König mit verschiedenen Gästen. Auch Cyro oder
einer von seiner Art. Aber auch so etwas wie abstrakte Kunst war
vertreten. Hera stand auf, »wir müssen zurück sonst fliegt Cyro
ohne Kristian ab.«
»Bis
bald,« verabschiedete ich mich. Ich fand mich draußen vor dem
Raumschiff wieder. Cyro wartete schon. Ein Zweiter von seiner Art stand
ebenfalls vor der geöffneten Tür. »Das ist Systra,« stellte
er vor. Äußerlich hätte ich sie nicht auseinanderhalten können. »Ich
gehe jetzt:« sagte Hera und verschwand.
»Komm
herein,« empfing ich Cyro`s lautlose Anweisung. Ich musste den Kopf
einziehen und ging in gebückter Haltung ins Schiff. Zwei Sessel vor einem
Kommandostand. Keine Knöpfe oder Schalter. Verschiedene Symbole auf einem
Sensorenfeld war alles, was ich sah. »Setz dich auf die Bank hinter
mir,« gab mir Cyro zu verstehen. Ich setzte mich. Die Tür schloss
sich. Ein leises Summen war alles, was ich vernahm, als das Schiff abhob.
»Du möchtest, dass wir zu dir fliegen?« empfing ich.
»Ja,«
dachte ich. Ohne dass ich es bemerkt hatte, sah ich auf einem Bildschirm
in der Wand unter uns, eine Stadt liegen. Cyro ging tiefer auf tausend
Meter und blieb auf der Stelle stehen. »Unbekanntes Flugobjekt auf
tausend Meter,« hörte ich von irgendwo her. »Es steht auf
der Stelle.«
»Flugzeug
Berta Anton Drei, gehen sie auf eintausenddreihundert Meter und sagen sie,
was sie sehen.«
»Verstanden
Tower. Hier Berta Anton Drei. Ich sehe es. Es sieht aus wie eine fliegende
Untertasse.«
»Anton
Berta drei, verlassen sie umgehend ihren Standort.« »Verstanden.«
Bald hörten wir sie kommen.
Zwei
Kampfflugzeuge der Bundeswehr umkreisten uns. »Hier AX 1, wir sehen
eine fliegende Untertasse, was sollen wir tun?«
»Keine
Provokationen, nur beobachten.« Beobachten war gut, wie sollten sie
das machen, sie konnten ja nicht auf der Stelle stehen bleiben wie wir.
»Du weißt, was du hier machst?« kamen Cyro`s Gedanken bei mir
an.
»Dieses
ist doch eine gute Gelegenheit, den Menschen zu zeigen, dass es auch noch
andere Lebewesen gibt.«
Cyro gab
keine Antwort. »Kann ich mit den Beiden da oben reden?«
fragte ich. Er nickte, da er nicht wollte, dass einer der Beiden ein Held
sein wollte. »Wo soll ich rein sprechen?« fragte ich. »Rede,«
sagte Cyro.
»Hallo
ihr beiden, es ist besser ihr fliegt zurück, wir sind in friedlicher
Absicht hier.«
»Sie
reden mit uns,« hörte ich die aufgeregte Stimme eines Piloten. »Sie
sind in friedlicher Absicht hier und wollen, dass wir zurückfliegen.«
»Kommen
sie zurück,« hörten wir den Befehl. Danach drehten beide ab. »Können
wir tiefer gehen?« fragte ich. Wieder nickte Cyro. Langsam fragte
ich mich, wieso er sich auf alles einließ. Hatten der König und er diesen
Ablauf in Betracht gezogen? Dann mussten sie mich aber besser kennen wie
ich mich selber. Cyro deutete auf den Bildschirm. Ich sah, wie die Stadt
auf uns zukam. Viele Menschen, durch die kreisenden Flugzeuge aufmerksam
geworden, blickten uns entgegen. Obwohl es anfing dunkel zu werden, sahen
wir die Gesichter deutlich vor uns. Ich erkannte, wo wir waren. »Am
Stadtrand ist eine Sportarena, lass uns dorthin fliegen.« Viele
Autoscheinwerfer folgten uns zur Arena. Aus allen Richtungen kamen
Polizeiwagen mit ihren blinkenden blauen Lichtern und versuchten, dem
Chaos Herr zu werden. Unter uns tauchte die Arena auf. Langsam schwebten
wir auf fünfzig Meter herunter. Irgendwie hatten die Menschen es
geschafft, die Tore zu öffnen. Ein endloser Strom ergoss sich auf die
Ränge. Angst schienen sie nicht zu haben, denn die Menschenmenge gab ihnen
ein sicheres Gefühl. »Zeige den Leuten, was du kannst, fliege hoch
und wieder herunter.« Auf dem Bildschirm sah ich die Arena kleiner
werden und ebenso wieder größer. Das alles hatte nur ein paar Sekunden
gedauert, ohne dass ich etwas gemerkt hatte. Der Menschenmenge hatte es
sicher gefallen. Ehrfürchtig starrten sie auf das Raumschiff. Wir standen
seit einer halben Stunde auf der Stelle, was sicher dazu beitrug, die
Spannung zu erhöhen. Ich wollte gerade sagen, in zehn Minuten setzt du
auf, als mir einfiel, dass ich nur Gast auf diesem Schiff war. Cyro hatte
mein Gedankenspiel wohl mitbekommen, zum ersten Mal sah ich, dass er zu
einer Regung fähig war. Es bildeten sich zwei Grübchen auf seinen Wangen.
Ich wollte es so verstanden wissen, dass das ein Lächeln war und lächelte
zurück. Nach zehn Minuten hörte ich, dass die vier Stelzen herausgefahren
wurden. »Jetzt solltest du den Leuten auf deine Weise mitteilen,
dass wir in friedlicher Absicht hier sind und sie ruhig bleiben sollen.«
sagte ich zu Cyro. Was war das ein Schock, als plötzlich in den Gedanken
der Menschen diese Botschaft ankam. Die Spannung musste ungeheuerlich
sein. Ich sah, wie die Polizei Fernsehteams an den Rand des Platzes ließ.
Bald würde die ganze Welt über den ersten öffentlichen Kontakt mit den
Außerirdischen wissen. Mittlerweile konnte ich mit meinen Fingerkuppen auf
dem Sensorenfeld die Kamera bedienen.
Ich richtete
sie auf die vordere Reihe, dort wo die Fernsehkameras standen. Ich hatte
schnell gefunden, was ich suchte. Lena in einem gelben Kostüm. Wieso hatte
sie ein Kostüm an? Ich zeigte Cyro den gelben Farbfleck.
»Kannst
du diese Frau gezielt ansprechen? Er nickte. »Dann sage ihr, Edra
lässt grüßen, mach dich bereit.« Ich beobachtete Lena. Sie blickte
sich um, ob die anderen auch eine Nachricht bekommen hatten, was
anscheinend nicht der Fall war.
»Kannst du jetzt die Tür aufmachen?«
Kurz darauf
wurde die Klappe heruntergefahren.
Ich verwandle
mich wohl besser, sagte ich und wurde zu einem Abbild von Cyro. Dieser
hatte erstaunt meiner Verwandlung zugesehen. Jetzt fehlt mir nur noch die
Fähigkeit, dass ich mich mit ihnen über ihre Gedanken unterhalten kann.
Eine Weile
blickte mich Cyro an, erst als sein Gefährte nickte, nahm Cyro aus einem
Fach einen kleinen runden Gegenstand und gab ihn mir. Da ich ebenso wie er
eine kleine Tasche an meiner Seite hatte, steckte ich ihn dort hinein.
»Wofür ist das?« fragte ich. »Spreche mit deinem gelben
Farbfleck,« sagte er.
Ich
konzentrierte mich auf Lena. »Hallo Lena,« dachte ich, »erschrecke
nicht.« »Mensch Kristian, du wirst mir immer unheimlicher.
Was habt ihr vor?«
»Wir
werden eine Delegation empfangen, zu der du auch gehörst. Ich dachte dabei
an den Bürgermeister und den Polizeichef. Deinen Kameramann kannst du
nicht mitnehmen. Es wäre gut, wenn du als auserwählte die Beiden darauf
vorbereiten würdest. Falls einer nicht will, soll er einen anderen
bestimmen.« Ich sah, wie Lena auf einen Polizisten zuging und mit
ihm debattierte. Ein Zweiter kam hinzu. Ich sah, wie sie vergeblich
versuchte, die Botschaft weiterzugeben.
Lena wurde
immer lauter und ein dritter Polizist kam hinzu. Dieser kannte Lena aus
dem Fernsehen und glaubte ihr. Lena verschwand in der Menge. Nach fünf
Minuten standen drei Personen am Spielfeldrand. Ich sah, dass außer Lena
noch eine Frau dazugehörte. Warum nicht, das war sicher die
Bürgermeisterin. »Hallo Lena, verrate mir die Namen der Beiden.«
»Frau Wissing die Bürgermeisterin und Herr Kranz der Polizeichef.«
»Dann
kommt,« sagte ich, worauf sich die Drei in Bewegung setzten. »Cyro,
ich habe eine Bitte, würdest du dich und dein Begleiter vorne an der Tür
aufstellen?« Wie immer machte er mit. Cyro uns Systra stellten sich
an der Tür auf. Ob die Fernsehkameras das auch alle mitbekamen? Ich ging
der Delegation entgegen. Lena, die ja wusste, dass keine Gefahr drohte,
hatte einen deutlichen Vorsprung. »Nicht so schnell,« sagte
ich zu ihr.
»Kristian, wo
bist du?«
»Ich stehe
doch vor dir.«
»Höre auf mit
dem Quatsch.«
»Lena, was muss ich tun, damit
du mir glaubst? Warte, ich weis schon.« Ich ließ Lena auf mich zukommen.
Ehe sie zurückweichen konnte, umschlossen meine Arme sie. »Glaubst du mir
jetzt?« »Kristian, was haben sie mit dir gemacht?« Ich ließ sie los. »Das
erzähle ich dir später.«
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Plötzlich
wurden die Besucher unruhig, sie lauschten den Nachrichten, die aus einem
kleinen Radio eines Besuchers kamen. Dieser drehte die Lautstärke höher, als er
bemerkte, dass sich andere auch für die Nachrichten interessierten. Ich wendete mich dem Radio zu.
Der Kommentator erklärte, dass er eine Livesendung eines amerikanischen
Radiosenders verfolgte. Die Besatzung der Raumstation kämpft um ihr Überleben.
Ein großes Leck in der Sauerstoffleitung sorgte dafür, dass der Aufenthalt in
der Raumstation nur noch für max. vier Stunden reichte. Der rettende Shuttle
konnte wegen schlechtem Wetter nicht starten. Überhaupt schien diese Mission vom
Pech verfolgt zu sein. Der Shuttle sollte eigentlich schon lange an der
Raumstation angedockt haben. Die Besatzung, eine Frau und zwei Männer kämpften
einen Kampf, den sie nicht gewinnen konnten. Die Welt draußen mochte vielleicht
noch auf ein Wunder hoffen, hier oben wusste jeder, wie es um sie stand. Der
Kommentator versuchte sich an die Hoffnung zu klammern, dass ein Ausstieg und
das Abdichten des Lecks der Besatzung einen längeren Aufenthalt ermöglichen
könnten. Dieser Ausstieg würde sie aber bei Nichtgelingen der Reparatur, noch
mehr Sauerstoff kosten.
Jeder hatte auf
seine Art mit dem Leben abgeschlossen. Dass ihr Leben einmal im All enden
könnte, war ihnen bei jedem Start bewusst gewesen. Da jetzt keine guten
Ratschläge an ihre Lage mehr etwas enden konnten, ergaben sie sich ihrem
Schicksal. Jessika schaute mich an. »Meinst du nicht du könntest?«
Ich unterbrach sie.
»Ich
weiß nicht einmal wo die Station ist, wenn ich einfach losspringe, bedeutet das
meinen Tod.«
»Das
mein ich doch nicht, Cyro kann vielleicht helfen.«
»Ja,
vielleicht, ich werde ihn suchen, komm lass uns fahren.« Auf den Heimweg
sprang ich vom Auto aus zum Stützpunkt. Cyro`s Raumschiff stand nicht auf seinen
Platz. Ich betrat die Halle. Als erstes sah ich das strahlende Gesicht von Lyra.
»Hallo Kristian, wir waren alle froh über deine Rettung.«
»Lyra,
ich muss dringend Cyro erreichen.«
»Dann
versuch dein Glück dort hinten einen Raum weiter.« Durch die Trennscheibe
sah ich dort einen Elfen sitzen. Er saß vor eine Konsole ähnlich dem in Cyro`s
Raumschiff. Sicher wusste er wer ich war. Ich betrat den Raum. »Es ist
ein Notfall, kannst du Cyro erreichen?«
»Ja,
das kann ich.«
»Bitte
versuche es.« In einer Sprache die ich nicht verstand, schickte er seinen
Ruf durch den Äther. Dann nickte er und deutete auf so etwas wie ein Mikrofon.
»Cyro, hier ist Kristian. Ich brauche deine Hilfe. Ich weiß nicht ob ihr
unsere Bemühung den Weltraum zu erobern verfolgt. Drei Astronauten werden
sterben wenn wir nicht helfen, ihnen geht der Sauerstoff aus.« Keine
Antwort, »Hallo Cyro, bist du noch da?«
»Ja,
was möchtest du dass ich tue?« »Ich hatte mir gedacht, dass du
mich abholst und wir dann zur Raumstation fliegen.«
»Ich
kann frühestens in einer Erdstunde bei dir sein.«
»Das
wird reichen, danke und Ende.«
»Du
weist um was es geht?« fragte ich den Elfen. Er nickte, »kannst du
dich in ihren Funkverkehr einkoppeln?« Wieder ein Nicken. Dann laut und
deutlich hörten wir ihre Gespräche. Eine weinende Kinderstimme, »Papa
lass uns nicht alleine, du musst zu uns zurückkommen.«
»Mein
Sohn, du musst jetzt auf deine Mutter aufpassen, du bist jetzt der Mann im Haus.«
Nach einer Weile versuchte der weibliche Astronaut sich von ihrer Familie zu
verabschieden. Ich machte ein Zeichen dass ich sprechen wollte und wartete
die nächste Pause ab.
»Hallo,
hier spricht Edra. Wir werden versuchen euch zu helfen. Haltet noch eine Stunde
durch, Ende.«
»An
Bodenstation, habt ihr das gehört?«
»Klar
und deutlich.«
»Was
haltet ihr davon?«
»Einen
Augenblick, wir erhalten so eben eine Nachricht, darin steht das ihr ihm
vertrauen könnt.« Dann die Stimme der Frau, »Edra, wir warten auf
dich.« Jetzt saß ich wie auf heiße Kohlen, hoffentlich hatte ich nicht
zu viel versprochen. Lyra kam herein, ein Glas mit meinem Lieblingsgetränk in der
Hand. »Danke , bringst du meinem Mitstreiter auch was zu trinken?«
Lyra wusste was er trank und kam sogleich mit einem weiteren Getränk zurück.
Deutlich war der Stimmungsumbruch in der Raumstation zu hören. Die Frau fragte,
»wisst ihr wer Edra ist?«
»War
er nicht an die Befreiung eines Ministers beteiligt?«
»Ist
er ein Mensch oder ein Alien?«
»Das
ist mir egal, Hauptsache er holt uns hier heil raus. Habt ihr euch denn noch nie
gefragt, woher das FBI seine Kontaktadresse hat, oder meint ihr dass er sich von
selbst gemeldet hat?«
»Unsere
Leute arbeiten mit den Alien zusammen, das weiß doch jedes Kind.«
»Ich
weiß es nicht,« sagte die Frau. Da wieder Hoffnung aufkeimte, wurden
keine privaten Gespräche mit Angehörigen mehr übermittelt. Die Stunde verstrich
ohne ein Zeichen von Cyro. Die Astronauten wurden unruhig. »Hallo Edra,
bist du noch da?«
»Ich
bin hier, das Rettungsfahrzeug ist noch nicht angekommen, haltet aus.«
»Der
hat gut reden,« maulte ein Astronaut. Dann endlich hörte ich Cyro. »Wir
sind gleich da.« Ich bedankte mich beim Elfen und verließ die Halle. Die
Stelzen von Cyro`s Fahrzeug fuhren aus. Er steckte kurz seinen Kopf durch die
sich öffnende Tür. Ich eilte die Rampe empor, zog rechtzeitig meinen Kopf ein.
»Hallo
Systra, hallo Cyro.« Unsere Handflächen berührten sich. »Weißt du
wo wir hin müssen?« fragte ich.
»Ja.«
Wir stiegen auf. Es fand so etwas wie ein Sprung statt. »Schau hinaus,«
sagte Systra. Die Raumstation lag direkt vor uns. Ich gab Systra ein Zeichen.
Jubelschreie schallten aus dem Lautsprecher.
»Hier
ist Edra, ich komme rüber.« Das ging so schnell, dass sie zusammenfuhren,
als ich bei ihnen erschien. Prüfend schauten sie mich an. »Na, hab ich
die Prüfung bestanden?«
»Entschuldige
Edra, wir hatten erwartet dass du in einem Raumanzug zu uns rüber kommst.«
»Das ist nicht nötig, ich bin ja nicht lange im Weltraum. Ich bringe euch jetzt
rüber.« Schnell schlossen alle ihre Helme. Ich musste lachen.
»Das
ist wirklich nicht nötig.« Da es im Raumschiff eng werden würde brachte
ich sie einzeln rüber. »Ihr könnt eure Helme abnehmen.« Sich
zweifeln anblickend öffnete zuerst die Frau ihren Helm, dann die Männer. »Darf
ich euch meine Freunde vorstellen, das ist Systra, und Cyro. Wo sollen wir euch
hinbringen?« »Zu unsere Bodenstation, wenn das nicht zu viel
verlangt ist?« Ich blickte Cyro an der nickte. Von der Beschleunigung die
folgte, bekam keiner etwas mit. Und ehe wir uns versahen, tauchte unter uns der
Weltraumbahnhof auf. Wir sahen auf einem Bildschirm, wie die Gebäude immer
größer, aus den Ameisen, Menschen wurden. Unter uns hat sich ein Kreis aus
Menschen gebildet. Groß genug, damit Cyro hier landen konnte. Wir setzten auf,
die Rampe ging herunter. Jubel überall. »Geht nur,« sagte ich.
»Edra wir möchten euch danken,« sagte die Frau, drehte sich zu mir um
und erschrak. Ich war jetzt ein Alien. Was ist er, ein Mensch oder ein Alien
dachte die Frau. »Vielleicht bin ich beides,« sagte ich. »Du
hast meine Gedanken gelesen?« fragte die Frau. »Ja, nun geht, ihr
werdet erwartet.« Hintereinander gingen sie die Rampe herunter. Die
Menschen waren außer Rand und Band. Sicher nicht nur wegen der Rettung ihrer
Leute, sondern auch weil ein Alienraumschiff sie brachte. Ich stand auf der
Rampe und hob den Arm zum Gruß. Sofort brandete der Applaus erneut los. Ein
Mädchen löste sich aus dem Kreis und rannte ihrer Mutter entgegen. Sie fiel
ihrer Mutter in den Arm, blickte über dessen Schulter zu mir. Sie löste sich,
rannte auf mich zu. »Langsam,« schickte ich ihr entgegen. Sie
zögerte kurz, ich ging in die Knie und breitete meine Arme aus. Dann lag sie in
meine Arme. Ich stand auf, das Mädchen im Arm. Wieder klatschten alle. Ich ging
der Mutter entgegen und ließ das Mädchen auf den Boden gleiten. »Du hast
eine mutige Tochter,« schickte ich nur für sie hörbar entgegen. Ihren
Gedanken konnte ich entnehmen dass auch sie mich gerne in den Arm genommen
hätte. »Tu es,« dachte ich. Da nahm sie mich weinend in den Arm,
»ich danke dir für alles.«
»Schon
gut.« Sie löste sich und ging auf die Menschenansammlung zu. Ich winkte
und ging ins Raumschiff, die Klappe schloss sich hinter mir. Wir hoben ab und
waren bald darauf nicht mehr zu sehen.
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Die Zeit zog
dahin, ich wollte wenigstens so lange warten, bis ich Margaret
kennengelernt hatte.
»Was
ist mit Margaret, kommt sie alleine, oder wird sie begleitet?«
»Sie
würde alleine kommen, aber ihr Vater gibt ihr einen Begleiter mit.«
»Wenn sie
alleine kommen möchte, dann ist sie sicher Furcht einflößend?«
Maria und
Anna lachten und hatten Spaß.
»Nein,
ist sie nicht, sie weiß sich zu wehren und ist eine gute Bogenschützin.«
»Kristian,«
bemerkte der Fürst, »ich sehe, dass ihr es nicht abwarten könnt,
Margaret kennen zulernen, wie wäre es, wenn wir eine Partie Schach spielen
würden?«
»Ja
sicher, das lässt sich machen.«
Der Fürst
hatte die erste Partie gewonnen, als Maria zum Fenster rannte. »Fürst
ihr gestattet doch, dass ich einen Blick nach draußen werfe?«
»Geht
nur.« Über den Burghof sah ich zwei Reiter kommen. Unzweifelhaft
sah man, dass ein Reiter zarter gebaut war. Maria und Anna hatten es
plötzlich eilig nach unten zu kommen. »Ihr müsst sie entschuldigen,«
bemerkte die Fürstin, »manchmal sind sie noch wie Kinder.«
Ich konnte es auch nicht abwarten, Margaret kennenzulernen. Unten führten
die drei Frauen ein erregtes Gespräch. Mehr als erstaunt war ich, als
Margaret in der Tür stand. Sie warf mir einen Blick zu und begrüßte dann
den Fürst und die Fürstin. Maria übernahm es, uns einander vorzustellen.
Margaret schien aus einer anderen Welt zu kommen.
Lange Kleider
bis zum Boden schien sie nicht zu kennen. Sie hatte eine eng anliegende
Hose aus Leder an, ihre Füße steckten in kreuzweise geschnürte Stiefel. Um
die allzu offen gezeigte Figur zu mildern, trug sie einen Überwurf, der
bis eine Handbreit unter das Knie reichte. Der an den Seiten offene
Überwurf wurde durch einen verzierten Gürtel zusammengehalten. Das Schwert
an der rechten Seite, ein voller Köcher mit Pfeilen und ein Bogen über
ihre Schulter, vervollständigten das Bild. Ihr Haar würde bis zur Schulter
reichen, ein grobmaschiges Netz hielt das Haar im Nacken fest. Beide waren
wir so damit beschäftigt den Anderen zu begutachten, dass wir erst
voneinander ließen, als ein Hüsteln der Fürstin unseren Blickkontakt
unterbrach. Anna und Maria lachten in verhohlener Hand. »Ihr seht
mich erstaunt,« sagte ich, »ich hatte nicht erwartet, eine
so wehrhafte Frau hier anzutreffen.«
»Sind
in deinem Land die Frauen anders?«
»In
meinem Land sind die Frauen gleichberechtigt, das heißt, sie machen das
Gleiche wie die Männer, und wenn es nötig ist, ziehen sie auch mit in den
Krieg.«
»Dein
Land würde mir gefallen. Es sind viele Geschichten über euch erzählt
worden,« sagte Margaret, »ich bin froh euch kennenzulernen.«
»Das
Gleiche gilt für mich.
Kommt eure
Familie damit klar, dass ihr so wehrhaft seid?«
»Mein
Vater ist ein Ritter, er sagt, dass eine Frau sich selber verteidigen
können muss.«
»Margaret
ist eine gute Jägerin, ihr Pfeil trifft meistens ihr Ziel,« sagte
Maria.
Schon wieder
war von einem Pfeil die Rede, ich kam meinem Traum immer näher.
»Wenn
ihr wollt, könnt ihr mich auf der Jagd begleiten.« Margaret schaute
mich herausfordernd an. »Ist es denn schicklich, wenn ihr alleine
mit einem fremden Mann ausreitet?«
»Ihr
seid Gast dieses Hauses, das ist Sicherheit genug.«
»Ich
würde gerne mit euch auf die Jagd gehen.«
»Also
gut, gegen Mittag reiten wir los.«
»Und
was ist mit euch?« fragte ich Maria und Anna.
»Das
würde unsere Mutter nicht erlauben.«
»Es
wäre schön, wenn ihr Jagdbeute mitbringen würdet,« sagte der Fürst,
»unsere Vorräte sind bedenklich geschrumpft.«
»Womit
geht ihr bei euch auf Jagd?« fragte Margaret.
»Bei
uns geht man mit einer Büchse auf Jagd.« Ich wusste, dass um
zwölfhundertfünfzig die ersten Kanonen und Büchsen von sich reden machten.
Die Büchse war eine Hakenbüchse. Diese wurde so genannt, weil sie einen
Haken zum Einhaken hatte, um damit den enormen Rückstoß abzufangen. »Wir
haben keine Büchse, für die Jagd wäre sie ungeeignet,« sagte
Margaret.
Die Fürstin
ließ Suppe auftragen. Zu der Suppe wurde Brot gereicht, das in die Suppe
getaucht wurde. Margaret, die mir gegenübersaß, sah mich über ihren zum
Mund geführten Löffel an. Ihre Augen lächelten nicht, es war ein
abschätzender Blick. Ich folgte ihren Gedanken. An einem Rastplatz sah sie
sich von mir in den Arm genommen, wir küssten uns. Ich lächelte sie an und
schüttelte leicht den Kopf. Als wenn sie die Geste verstanden hatte und so
deutete, als wenn ich ihre Gedanken gelesen hätte, verschluckte sie sich
prompt, bis ihr die Tränen kamen.
»An
was habt ihr gerade gedacht?« fragte ich.
»Ich,
ich habe an nichts gedacht.«
»Kristian,«
sagte die Fürstin, »was haben die Leute gesagt, als sie erfuhren,
woher ich kam?«
»Ihr werdet das Gefühl kennen Fürstin, es
ist einfach unbegreiflich.«
»Ihr
habt recht, Kristian, manchmal denke ich, dass ich alles nur geträumt
habe.«
»Wie
denken eure Freunde darüber?« fragte ich.
»Wir
haben es keinem erzählt, sie würden es für Teufelswerk halten. Unsere
Kirchenführung spaßt mit solchen Dingen nicht lange.«
Margaret
hörte auf zu kauen, ihr Löffel verharrte vor ihrem Mund. »Was für
Teufelswerk flüsterte sie?«
»Kind,«
sagte die Fürstin, »wir wollten es keinem erzählen, ich hoffe, dass
deine Lippen versiegelt bleiben.«
»Aber
ich weiß doch gar nicht, worum es geht.«
»Ich
habe Kristian in seine Welt begleitet.« Wir mussten alle über das
verdutzte Gesicht von Margaret lachen.
»Was
habt ihr erlebt?« flüsterte sie.
»Ich
bin eigentlich nicht weit gereist, ich habe meine Nachfahren
kannengelernt.«
»Das
verstehe ich nicht, hier in dieser Burg?«
»Ja.«
»Das
ist unheimlich.«
»Ja,
du hast recht,« sagte Anna, »deshalb ist auch keiner von uns
mitgekommen.«
»Und
die Menschen sind wie Kristian?«
»Ja.«
»Wenn
ihr mehr Menschen aus meiner Welt kennenlernen wollt, bringe ich zwei
Freundinnen mit.« Margaret schaute von der Fürstin zu mir, »wenn
das möglich ist, möchte ich sie kennenlernen.«
»Wenn
ihr noch auf die Jagd wollt, müsst ihr jetzt losreiten,« sagte der
Fürst.
»Ja,
ihr habt recht.« Margaret stand auf, befestigte ihr Schwert und
nahm den Köcher und den Bogen. Ich kam mir direkt nackt vor. »Ich
habe nicht gelernt mit einem Schwert umzugehen,« sagte ich. »Dafür
sollt ihr umso besser mit dem Stock umgehen können. Ihr müsst mir das
zeigen, ich möchte es auch lernen.«
Wir gingen
die Treppe herunter in den Hof und warteten darauf, dass man die Pferde
brachte. Wir saßen auf und winkten den oben am Fenster stehenden zu. »Wisst
ihr einen Platz, wo ihr Wild antrefft?« fragte ich.
»Ich
war mit der fürstlichen Jagdgesellschaft schon öfter hier auf Jagd.«
»Wie
weit entfernt ist euer Heim?«
»Drei
Reitstunden.«
»Ihr
hattet einen Begleiter bei euch?«
»Ja,
mein Vater bestand darauf.«
»Ist
es gefährlich, hier lang zu reiten?«
»Mitunter
schon. Man weiß vorher nie, wer sich auf diese Straßen bewegt. Lange Zeit
ist alles ruhig, dann plötzlich sind die Wegelagerer da. Man muss froh
sein, wenn sie einem das Leben lassen.«
»Das
haben wir auf der Burg Falkenhorst erlebt. Plötzlich waren dreißig bis
vierzig Landknechte da und versuchten in die Vorburg zu gelangen,«
sagte ich.
»Der
Fürst hat meinem Vater davon erzählt. Mein Vater hat aber nicht alles
verstanden. Der Fürst sagte, dass die Elfen euch zu Hilfe gekommen sind.«
»Nicht
direkt, die Kraft der Elfen hat sie vertrieben.«
»Meinen
Vater würde das sicher interessieren.«
»Ich
will eurem Vater die Geschichte gerne erzählen.
Wir sind nur
noch zwei Stunden von Zuhause entfernt, warum reiten wir nicht direkt dort
hin?«
»Was
ist mit dem Wild, welches wir jagen wollten?«
»Das
machen wir morgen auf dem Rückweg.«
»Einverstanden.«
Wir ritten
schweigend nebeneinander, unsere Blicke trafen sich, ohne dass wir etwas
sagten.
»Ihr habt zwei Frauen, um die ihr werbt?«
»Werben
ist nicht der richtige Ausdruck, bei uns geht man miteinander und lebt
zusammen, so als wäre man verheiratet. Man prüft, ob man zusammenpasst,
dann heiratet man oder auch nicht. Die zweite Frau ist die Freundin meiner
Freundin Jessika und heißt Jeanette. Ich werde sie euch vorstellen, wenn
sich die Gelegenheit ergibt.«
Von vorne kam
uns ein Trupp Reiter entgegen. Mir fiel meine Kamera ein, ich holte sie
hervor und richtete sie auf die Reiter, die nebeneinander ritten, als
wollten sie uns den Weg versperren. Sie waren noch zu weit entfernt, als
dass man die genaue Zahl bestimmen konnte. Ich zoomte sie heran. Fünf oder
sechs waren es. »Freund oder Feind?« fragte ich Margaret.
»Das
werden wir noch schnell genug erfahren.«
Bald erkannte
man die ersten Gesichter.
»Freunde
sind es nicht,« sagte ich, nachdem ich den Einäugigen erkannt
hatte.
»Ich
habe auch jemand erkannt,« meldete sich Margaret.
»Der
Mann mit der Augenklappe?« Margaret nickte. Wir sahen, wie ein Mann
seine Armbrust spannte und einen Pfeil einlegte. Mir fiel mein Traum ein.
Ich sollte nicht hier sein.
»Es
sind zu viele,« stellte Margaret fest.
Wir waren
noch auf freiem Gelände. Einhundert Meter vor uns fing der Wald an.
»Folgt
mir.«
Die Kamera
nach vorne richtend, folgte ich ihr. Die Pferde sprangen erschreckt hoch,
als wir unsere Fersen in ihre Seiten drückten. Für die Reiter musste es so
aussehen, als würden wir auf sie zureiten. Raum gewinnend preschten wir
auf den Wald zu. Wir wollten die Reiter links liegen lassen und den Wald
zwischen uns bringen. Ich sah gerade noch, wie auch die Reiter ihre Pferde
antrieben.
Der Wald war
zu dicht, als dass sie durch ihn hindurch reiten und uns den Weg
abschneiden konnten. Sie mussten den gleichen Weg nehmen wie wir. Bis
dahin hatten wir einen Vorsprung gewonnen. Margaret lenkte ihr Pferd in
eine Lichtung, ich hinterher. Wir sprangen von den Pferden, Margaret
reicht mir ihre Zügel und deutete in den Wald. Beide Pferde am Zügel,
versuchte ich bessere Deckung zu finden.
Mit laufender
Kamera band ich die Zügel an einen Busch und suchte Margaret. Sie stand
mit dem Rücken gegen einen Baum gelehnt. Schon preschten fünf Reiter an
uns vorbei. Ehe ich begriff, trat Margaret aus ihrer Deckung und schoss
einen Pfeil auf den letzten Reiter ab. Mit laufender Kamera rannte ich zu
ihr, mit einem Auge auf das Display. Der Pfeil durchbohrte den Reiter. Als
Erstes ließ er seine gespannte Armbrust los und versuchte, sich im Sattel
zu halten. Dann fiel er vom Pferd, ohne dass die anderen Reiter etwas
davon mitbekamen. Margaret legte den nächsten Pfeil an, erkannte aber,
dass die Reiter schon zu weit weg waren. Ich sah, dass hinter ihr der
sechste Reiter angebraust kam. »Margaret, Achtung hinter dir!«
schrie ich. Der Reiter kam mit gezogenem Schwert auf sie zu. Margaret, den
Bogen noch gespannt, drehte sich um und zielte auf den Reiter. Dieser
erkannte die Gefahr und versuchte sein Pferd herumzureißen. Zu spät. Der
Pfeil bohrte sich in seine Brust. Auf dem Display sah ich noch den
erstaunten Ausdruck auf seinem Gesicht, dann kippte er aus dem Sattel.
»Holt die Pferde,« bat Margaret. Mit den Pferden am Zügel kam
ich zurück. Margaret kniete vor den Reiter und schnitt ihm seinen
Geldbeutel ab. »Den braucht er nicht mehr,« sagte sie. »Bindet
sein Pferd bei euch an.« Zu Fuß gingen wir zu dem getroffenen
Armbrustschützen. Eindeutig tot. Margaret stellte ihren Fuß auf den toten
Körper, zog den Pfeil heraus und steckte ihn in ihren Köcher zurück. So
brutal das auch aussah, den Fernsehzuschauern würden die Haare zu Berge
stehen. Wieder ein Schnitt und sie hielt den zweiten Geldbeutel in ihre
Hand.
Nicht weit
entfernt graste das zweite Pferd. Margaret nahm die Zügel und ging damit
zu ihrem Pferd. Ich nahm das Schwert auf und steckte es hinter meinen
Gürtel. Wer weis was uns noch erwartete. Wir saßen auf. Da der
Armbrustschütze tot war, brauchten wir die Wegelagerer nicht mehr zu
fürchten, dachten wir.
Wir ritten
auf den Weg zurück, den wir ursprünglich nehmen wollten. Ich deutete auf
die Geldbeutel, »ist das eure Beute?«
»Ja,
sicher, sie hätten das Gleiche gemacht.«
»Wir
hätten wohl besser die Armbrust mitnehmen oder die Sehne durchschneiden
sollen,« meinte ich.
»Ja,
ihr habt recht.« Zügig ritten wir auf unser Ziel zu. Margarets
Gesichtszüge wirkten angespannt. »Was ist, rechnet ihr noch mit
einem Angriff?«
»Nur
wenn sie das Letzte aus ihren Pferden herausholen.« Margarets Augen
zuckten nervös. Als wenn ich es geahnt hatte. Vier Reiter stellten sich
uns in den Weg, ihre Pferde dampften. Der Einäugige hielt die Armbrust des
vom Pferd gefallenen auf uns gerichtet. Noch waren sie nicht auf
Schussweite an uns herangekommen. Margaret griff nach einem Pfeil und
spannte den Bogen. Ich schaltete die Kamera aus, jetzt musste ich beide
Hände freihaben. Ich griff nach dem erbeuteten Schwert. Langsam ritten wir
ihnen entgegen. Obwohl noch zu weit entfernt, schickte Margaret den ersten
Pfeil in ihre Richtung. Der Pfeil erreichte sein Ziel nicht, immerhin traf
er ein Pferd in die Brust, was dazu führte, dass es seinen Reiter abwarf.
Ihr nächster Pfeil hätte sein Ziel erreicht, wenn der Einäugige sich nicht
rechtzeitig geduckt hätte. Ich zog das Beutepferd näher an meine Seite.
Jetzt ging es um die Wurst.
Eins musste
man dem Einäugigen lassen, kaltblütig wartete er auf eine passende
Gelegenheit. Er wusste, dass er für einen zweiten Schuss keine Zeit mehr
hatte. Bis jetzt hatte ich mir noch keine Gedanken um meine Sicherheit
gemacht. Erst wenn sie Margaret ausgeschaltet hatten, wäre ich in Gefahr.
Margaret spannte ihren Bogen und der Pfeil flog auf den Einäugigen zu.
Dieser versuchte wieder dem Pfeil auszuweichen, was ihm aber nicht gelang,
da auf beide Seiten von ihm seine Kumpane Pferd an Pferd ritten. Er duckte
sich und schoss gleichzeitig.
Es war mehr
eine Ahnung, als dass ich den Pfeil kommen sah. Ich suchte Deckung hinter
den Hals meines Pferdes. Gleichzeitig dachte ich an meinen Traum. Würde er
hier in Erfüllung gehen? Dann der Schmerz, ich schaute auf meinen Arm, an
dem das Blut herunter lief. Da ich den Pfeil nicht sah, wusste ich, dass
er mich nur gestreift hatte. Mehr Zeit zum Überlegen blieb mir nicht.
Mittlerweile
waren sie auf Schwertlänge herangekommen. Margaret schlug auf den
Einäugigen ein. Gerade noch Zeit, den Hieb eines anderen abzufangen,
blickte ich in ein grimmiges von einer Narbe entstelltes Gesicht.
In den
Steigbügeln stehend, holte ich aus und schlug über das Beutepferd hinweg
auf den Mann ein. Der hatte Mühe sich im Sattel zu halten. Mein Schwert
traf ihn am Arm, das Schwert löste sich aus seiner Hand. Im Nu färbte sich
sein Ärmel rot. Jetzt hatte ich Zeit nach Margaret zu schauen. Sie musste
sich auf beide Seiten verteidigen. Ich trieb mein Pferd auf den Einäugigen
zu. Dieser ließ von Margaret ab. Meinem Schlag ausweichend, schlug er auf
mich ein. Ich riskierte einen kurzen Blick nach Margaret. Ihr Gegner hatte
einen abwesenden Blick. Sein Kopf war bis zur Nasenwurzel gespalten.
Schade, dass ich meine Kamera nicht eingeschaltet hatte, sie baumelte vor
meiner Brust. Margaret kam mir zu Hilfe. Von zwei Seiten hieben wir auf
den Einäugigen ein, was meinerseits mit Zurückhaltung geschah. Jemand zu
töten, war nicht mein Ding. Dafür schlug Margaret umso fester zu. Meine
Hiebe lenkten ihn genügend ab, sodass Margaret einen Hieb platzieren
konnte, der ihn am Hals traf.
Ein Strom von
Blut quoll aus der Wunde hervor. Ich hörte auf zu kämpfen, hatte Zeit, die
Kamera einzuschalten. Der Einäugige starrte uns mit schreckgeweiteten
Augen an. Ich zoomte ihn heran, sodass sein Gesicht das Display füllte.
Ich weis nicht, ob er noch mitbekam, dass er tödlich getroffen war. Im
Zeitlupentempo kippte er aus dem Sattel. Wir sahen uns um. Die Beiden
zuvor ausgeschiedenen Räuber standen am Wegrand. Der eine humpelte, der
andere hielt seinen Arm umklammert. Als wir unsere Pferde in ihre Richtung
lenkten, versuchte der humpelnde Mann wegzulaufen.
Margaret
trieb ihr Pferd an. Der Mann winselte um Gnade. Margaret holte aus und
spaltete ihm seinen Schädel. Der am Wegrand verbliebene Mann wusste, was
ihn erwartete. Mit Mühe zog er sich auf das nächste Pferd und trieb es von
uns weg. Margaret machte keine Anstalten ihm zu folgen. Stattdessen stieg
sie vom Pferd und sammelte die Geldbeutel ein.
»Wollt
ihr sie hier liegen lassen?« fragte ich, die Kamera auf sie
richtend.
»Es
wird sich schon jemand um sie kümmern, ihre Kleidung wird bald ein anderer
tragen, den Rest werden sich die Raben teilen.« »Wenn ihr
nichts dagegen habt, nehme ich mir ihre Schwerter.« Ich stieg ab
und sammelte sie ein.
Leseprobe Buch 2.
Leseprobe Buch 1
Leseprobe Buch 3
Im Haus des Entführers und seiner
krebskranken Tochter Klara:
Nach dem
Abendessen zog ich mich auf mein Zimmer zurück. Irgendwie war ich
geschafft.
Hatte ich
Klara zu fiel meiner Energie abgegeben? Eigentlich hatte ich vorgehabt
Lena zu benachrichtigen, dass die Gefahr vorbei war, aber ich war zu müde
und verschob es auf morgen. Meine Energie reichte gerade so weit, mich ins
Bett zu legen. Ich schlief sofort ein.
Ich hatte zu
lange geschlafen. Klara und ihr Vater waren schon fort. Also frühstückte
ich alleine. Danach ging ich in den Stall und sattelte das dritte Pferd.
Heute wollte ich in die andere Richtung, den Berg hinauf reiten. Obwohl es
noch früh war, begegneten mir Wanderer. Einige hatten Kletterseile in ihre
Rucksäcke. Auf einer Alm konnte ich mein Pferd tränken und ein Glas Milch
trinken. Ich lag entspannt auf dem Rücken und bewunderte die Berge
ringsum, als ich durch das Geschrei einiger Besucher erschrocken hochfuhr.
Alles starrte gebannt auf die nächste Felswand. Sie war ein Stück
entfernt, trotzdem konnte man drei winzige Kletterer erkennen. Diese
schienen in Schwierigkeiten zu sein. Wie auf einer Perlenkette aufgereiht,
klebten sie an der Felswand. Steinschlag von oben zwang sie, sich an die
Wand zu pressen. Ein Felsbrocken hatte den oberen Kletterer getroffen und
ihn aus der Wand gerissen. Bis zur nächsten Sicherung war er hinab
gestürzt und baumelte jetzt am Seil. Anscheinend war er benommen, denn er
zeigte keine Regung. Von hier aus konnte man schlecht sehen, in was für
einem Zustand die Anderen waren. Sicher hatten sie Angst, dass die Haken
nicht halten würden. Ich musste näher an sie heran.
Von der
Rückseite der Alm sprang ich unsichtbar zu dem mittleren Kletterer. Es war
eine Frau. »Was ist mit dir,« fragte ich, »kannst du dich halten?«
Erschrocken schaute sie sich um. »Das ist der Schock,« sagte sie zu sich
selbst, »ich höre Stimmen.«
»Es ist kein
Schock, ich spreche zu dir.«
»Muss ich
jetzt sterben, holst du mich ab?« Es blieb mir keine andere Wahl, ich
musste mich ihr zeigen. »Hör zu, ich bin kein Geist, ich zeige mich jetzt,
hast du mich verstanden?«
»Wer immer du
bist, ich glaube nicht an Geister.«
»Um so
besser.« Ich wollte nicht, dass sie mich beschreiben konnte, deshalb hatte
ich mein Äußeres verändert. Erschrocken sah sie mich an. »Bin ich schon
tot?«
»Nein, du
bist nicht tot, ich frage dich noch mal, kannst du dich halten?«
»Ich weiß
nicht, wenn der Haken oben nicht hält, werden wir mit runtergerissen.«
»Darum werde
ich mich kümmern, kommt ihr dann alleine hoch oder wieder runter?«
»Meine Knie
zittern, ich glaube nicht.«
»Dann halte
solange aus, ich kümmere mich erst um den Mann über dir.« Wieder
unsichtbar, sprang ich zu dem baumelnden Mann. Ich hätte sie alle
gleichzeitig aus der Wand holen können, wenn das Seil nicht durch etliche
Sicherungshaken laufen würde. Der Mann kam langsam zu sich. »Wo bin ich,
ich schwebe.«
»Nein, du
wirst gleich schweben, du bist abgestürzt.« Er merkte nicht wie ich das
Seil sicherte, ihn los band, und wir gemeinsam herunterschwebten. Ich
legte ihn unten ab. Von unten hoch kommend, befreite ich den unteren
Kletterer vom Seil. Der schrie auf, als er sich seines Halteseils beraubt
sah. Ich musste ihn erst überreden die Wand loszulassen. Es war höchste
Zeit, als ich bei der Frau war. Ihre Knie zitterten so stark, dass sie
sich nicht mehr lange hätte halten können. »Ich bin bei dir, lass los, du
bist in Sicherheit. Sie tastete nach mir, hielt sich krampfhaft fest und
ergab sich in ihrem Schicksal« Die beiden Kletterer unten waren nicht mehr
alleine. Andere Bergsteiger kümmerten sich um sie. Es fiel nicht auf, als
wir beide unsichtbar herunterschwebten und ich die Frau etwas abseits
ablegte. Als diese merkte, dass sie festen Boden unter sich hatte, schrie
sie kreischend auf. Sie stand immer noch unter Schock. Ein beherzter Mann
rannte auf sie zu und gab ihr eine Ohrfeige, was sie sofort verstummen
ließ.
Meine Arbeit
war getan. Ich sprang zu meinem Pferd zurück. »Kannst du mir sagen was
dort passiert ist,« hörte ich jemand einen anderen fragen?
»Ich bin mir
nicht sicher,« sagte der Angesprochene, »ich verstehe es selber nicht,
erst hingen sie in der Wand, jetzt sind sie weg, sie müssen wohl
abgestürzt sein.« Ich schwang mich aufs Pferd und machte mich auf den
Heimweg. Ein Hubschrauber schwebte über der Stelle, wo die Bergsteiger
waren. Es war Mittag als ich zurück war. Klara war noch nicht zurück. Ich
war nervös, hatte keinen Hunger und wartete auf Klara und das
Untersuchungsergebnis. Um drei Uhr kam sie endlich.
Dass Klara
ein verheultes Gesicht hatte, war kein gutes Zeichen. Auch ihr Vater hatte
feuchte Augen. Als Klara mich sah, rannte sie auf mich zu. »Kristian,«
erneut heulte sie los. »Was ist, ist es so schlimm?«
»Nein, es ist
nicht schlimm.«
»Und warum
weinst du?«
»Ich weine
vor Freude.«
»Du hast mir
einen Schrecken eingejagt, erzähl schon.«
Der Vater
kam, »ihre Werte haben sich gebessert.«
»Hab ich
nicht von Anfang an gesagt, Klara schafft das alleine?« Klara ließ mich
nicht mehr los.
»Komm, wir
gehen rein,« schlug ich vor. Ich schob sie zum Sofa. »Du hast mir was
versprochen,« sagte Klara.
»Was
versprochen?« fragte ihr Vater. Ich schaute Klara warnend an.
»Oh, Kristian
sagt, ich werde gesund.« Ich wusste dass Klara an das Mittelalter gedacht
hatte.
Das
Mittagessen war ausgefallen und ich war froh, dass es jetzt Kaffe und
Kuchen gab. »Kristian, ich weiß nicht wie ich ihnen danken soll.«
»Wieso mir,
ich habe doch nichts gemacht.« Klara schien mit der Erklärung nicht ganz
einverstanden zu sein.
»Kristian, du
hast mir dass positive Denken beigebracht.« »Ja, mehr aber nicht.« Vorerst
sollte Herr Melchior nicht wissen,dass ich mehr getan hatte. »Du denkst
doch an unseren Spaziergang,« erinnerte ich Klara.«
»Ja,
natürlich.« »Entschuldigt mich,« sagte der Vater, »ich lege mich eine
Stunde hin, die Aufregung war zu viel für mich.« Als wir schließlich über
den Hügel schritten, sagte ich, »du weißt, dass du es noch nicht geschafft
hast?«
»Dass was ich
weis ist, dass du mein Retter bist.« »Übertreibst du nicht etwas?«
»Dein Vater
hat auch seinen Anteil daran, ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier.«
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»Liegt sonst
noch was vor?« fragte Lena.
»Nein,
eigentlich nicht.«
»Und was
heißt eigentlich?« hakte Lena nach.
»Wir wollen
morgen die Römer besuchen.«
»Und mich
wollt ihr nicht dabei haben?«
»Nein, das
ist es nicht, wir haben nur drei Pferde.«
»Dann gehe
ich eben zu Fuß, vom Waldrand aus ist es sowieso nicht weit.«
»Und was ist
mit euch?« richtete ich die Frage an Silke und Kristel.
»Ich vertraue
den Römern nicht.« sagte Silke, »ich gehe nicht mit.«
»Ich würde
gerne mitkommen,« sagte Kristel, »aber ich habe morgen Dienst.« Bis auf
Jeanette und Lena waren dann alle gegangen. »Ich würde euch vorschlagen,
ein paar Denare einzustecken, falls ihr was kaufen wollt.«
Die Frauen
hatten durch den Verkauf von Waren an die Römer beim letzten Besuch einige
Denare eingenommen. »Lena, bringe bitte deine Sofortbildkamera mit, und
ihr braucht euch nicht als Römerinnen verkleiden.
Am Morgen
waren wir bereit. Lena saß auf meinem Pferd, ich hielt die Zügel. Wir
kamen am Waldrand an. Vor uns Zelte, dahinter das Kastell. Sie mussten
sich sehr sicher fühlen, weil sie keinen Schutz um ihr Zeltlager gebaut
hatten. Ich dachte an den letzten Angriff der Germanen, den wir miterlebt
hatten. Lediglich ein paar Legionäre hielten Wache. Sie hatten uns
entdeckt. Lena machte ihre Fotos. Langsam gingen wir auf die Zelte zu. Es
war still. Abwartend beobachteten uns die Wachen.
Es schienen
fremde Römer zu sein, nicht die, die wir schon kannten. Sicher hatten sie
von uns gehört. In den Augen der Männer glomm Verlangen auf. Aus den
Zelten kamen mehr Männer hervor. Bald bildete sich ein Spalier, durch das
wir schritten. Vorne am Tor hatten sich Offiziere eingefunden. Rufus der
Rote, ein Centurio, kam uns entgegen. Eurone das Mischwesen hatte uns, das
heißt Lena, Jessika und mir auf ihrem Planeten mittels einer Apparatur die
römische Sprache beigebracht. Deswegen gab es keine Sprachschwierigkeiten.
Jeanette, die später zu uns stieß, musste sehen wie sie mit ihrem
Schullatein zu Recht kam.
»Es ist uns
eine Freude, euch zu sehen,« empfing uns Rufus, der Rote. »Du meinst
bestimmt meine Frauen?«
»Du bist
natürlich auch willkommen.« Es entstand ein Tumult, als Gallus, ein
einfacher Legionär, sich zu uns durcharbeitete. Zögernd blieb er vor uns
stehen, als wäre er sich nicht sicher, ob wir uns seiner erinnern wollten.
»Gallus, alter Freund, viel Betrieb hier.«
»Ja, es ist
eng geworden.«
»Kristian
komm,« drängte Rufus, »Der Tribun wird euch sehen wollen.« Der rote Rufus
gab einen Befehl und man kümmerte sich um unsere Pferde.
Lena drehte
sich im Kreis und machte Fotos von den schmachtenden Legionärsgesichtern.
Rufus ging voraus, eine Gasse öffnete sich. Das Zimmer des Tribun Quintus
füllte sich. Viele der Gesichter kannte ich nicht. »Kristian, schön dass
ihr kommt, der Anblick deiner Frauen lässt uns unser eintöniges Leben hier
ein wenig vergessen« Er geleitete die Frauen zu Sitzgelegenheiten, die von
den Männern schnell freigemacht wurden. Ein Sklave kam mit einem Tablett,
auf dem mit Wein gefüllte Gläser standen. Wir bedienten uns. »Lasst uns
das Glas erheben auf unsere Freunde,« sagte der Tribun. »Viele von uns
kennen euch noch nicht, haben aber inzwischen von euch gehört.
Die Schönheit
unserer weiblichen Gäste wird an den Lagerfeuern sicher bald genug
Gesprächsstoff liefern.« »Tribun, genug des Lobes, sagt mir, ob ihr
Verstärkung erhalten habt?«
»Nein, darf
ich euch den Centurio Gaius Octavius vorstellen.« Der Tribun schaute einen
Mann an. Dieser war mir schon aufgefallen. Er war von kräftiger Gestalt
mit ausgeprägten Muskeln. Ihm möchte ich als Gegner nicht gegenüber
stehen. Wir reichten uns die Hand.
Er ließ sie
nicht los und zog mich zum Ende des Raumes. »Ich habe schon viel über euch
gehört.«
»Und was zum
Beispiel?«
»Ihr sollt
ein guter Kämpfer sein.«
»Ihr meint
sicher die Geschichte mit Bibulus, er ist ein falscher Hund, der seine
Macht an Schwächere austobt. Ich kann mit einem Schwert nicht umgehen.«
»Trotzdem
habt ihr Bibulus besiegt.«
»Ja, mit
einem Stock, er hat mir dieses noch nicht verziehen. Sein Schwert habe ich
als Trophäe behalten. Wie soll ich dich nennen?«
»Sag Octavius
zu mir.«
»Octavius,
was machst du hier?« »Ich habe einen Konsul in Colonia abgeliefert, wir
sind jetzt auf dem Rückweg.
»Da seid ihr
aber noch eine Weile unterwegs.«
»Du sagst es.
Wir könnten unser Ziel schneller erreichen, unsere Begleitfahrzeuge lassen
das aber nicht zu. Diese waren mir schon aufgefallen, denn sie nahmen
einen Großteil des Platzes vor dem Kastell ein. Nicht nur die Verpflegung
für die Menschen, auch die Pferde brauchten ihr Futter. Dazu kamen die
Zelte. Auch Händler nutzten den Schutz der Soldaten. »Hast du Familie?«
fragte ich.
»Ja, unser
Gut liegt in Florenz. Unser Rückweg führt daran vorbei, wir machen dort
Rast.«
»Ich würde
dich gerne begleiten, aber soviel Zeit habe ich nicht.«
Ich gab Lena ein Zeichen.
»Lena,
würdest du ein Foto von Octavius und mir mit der Sofortbildkamera machen?«
Lena nickte. Das Blitzlicht ließ alle erschreckt in unsere Richtung
blicken. Staunend blickte Octavius auf das Foto, das aus der Kamera kam
und zu einem Bild wurde. »Der Tribun hat mir von euren magischen Kräften
erzählt, ich wollte es nicht glauben.« Dann nahm er das Foto von Lena
entgegen. »Sehe ich so aus?« fragte er zweifelnd.
»Ja, ich kann
keinen Unterschied erkennen. Oder sehe ich auf dem Bild anders aus?«
fragte ich.
»Das ist ein
mächtiger Zauber.« Jetzt kamen die anderen und wollten das Bild sehen.
»Lena mach ein Foto von ihnen.« So abgelenkt, standen wir bald wieder
alleine da.
»Octavius,
was hältst du davon, wenn ich dich ein Stück begleite?«
»Das würde
mich freuen.«
»Ich könnte,
wenn du mir einen Führer mitgibst, voraus reiten und deiner Frau dieses
Bild von uns bringen.«
»Das würde
sie sicher erfreuen, aber meinst du, dass es etwas bringt, wenn du ein
paar Tage vor mir dort bist?«
»Lass dich
überraschen, gib mir einen Mann mit, der den Weg genau kennt und vor
magischen Kräften, wie du es nennst, keine Angst hat.«
»Was hast du
vor?« »Ich werde mir in Ruhe dein Land anschauen.« Jessika kam zu uns um
zu sagen, dass sie zu den Händlern vor das Kastell wollten. »Was ist mit
dir Octavius, gehst du mit?«
»Ja, dann
zeige ich dir den Mann der dich begleiten wird.« Einer Prozession gleich,
folgten die Männer den Frauen nach draußen. Der rote Rufus hatte die
Führung übernommen. Die Prozession wurde immer länger. Alle wollten einen
Blick auf die Frauen in ihren engen Reithosen werfen.
Unterwegs gab
Octavius einem Mann ein Zeichen. Der bahnte sich einen Weg zu uns durch.
»Decimus, ich habe einen Auftrag für dich.«
Decimus war
auch keine halbe Portion und kein einfacher Soldat. »Decimus, mein Freund
Kristian möchte morgen vor uns her reiten. Bringe ihn sicher zu meiner
Frau. Du wartest dort auf uns.« Abschätzend musterte Decimus mich. »Er hat
nicht mal ein Schwert.«
»Ja, ich
weiß, er wird einen Stock mitnehmen.«
»Einen
Stock?«
»Ja, Kristian
ist ein Stockkämpfer, lass dir die Geschichte von Bibulus erzählen. Du
kannst dich auf ihn verlassen. So, jetzt lass uns zu den Händlern gehen.«
Diese witterten ein großes Geschäft, nicht wissend, warum hier so ein
großer Andrang herrschte. Lena war auf eine Karre geklettert, was von dem
Händler mit Argwohn beobachtet wurde. Sie winkte mir zu und machte weiter
ihre Aufnahmen mit einer anderen Kamera. »Legst du dich mit allen Frauen
auf dein Lager?« fragte Octavius.
»Nein, nur
mit einer.« »Du bist ein Mann, möchtest du nicht mit allen dein Lager
teilen?«
»Du hast
Recht, das Verlangen ist schon da, ich will aber nicht unsere Freundschaft
auf Spiel setzen.«
»Ein weiser
Spruch, auch ich vermeide es mich zu anderen Frauen zu legen. Aber
manchmal läst es sich nicht vermeiden, du weißt schon, das Fleisch ist
schwach.«
Es war nicht
leicht zu den Händlern durchzukommen. Lediglich Octavius Autorität
verschaffte uns Platz. Am Stand des dritten Händlers fanden wir die
Frauen. Jeanette versuchte den Händler abzuwehren, der ihr eine Kette
aufschwatzen wollte. Ich sah schöne Weinkelche und verzierte Teller. Bei
uns waren diese unbezahlbar. Ich wollte sie alle. »Hast du deiner Frau
schon ein Geschenk gekauft?« fragte ich Octavius. »Ja, einen Ballen
Stoff.«
»Und sonst?«
»Was und
sonst?«
»Ein
Schmuckstück zum Beispiel.«
»Du hast
Recht, vielleicht finde ich hier was Passendes.« Ich sah Keramik und viele
Teile aus Glas, Schreibmaterialien, Wachstafeln, Papyrus, Schmuck aus
Bronze und Silber und römische Spiele. Gallus hatte es geschafft, sich zu
mir durchzuarbeiten. »Gallus, ich habe eine Aufgabe für dich.« Ich
erzählte ihm worauf es mir ankam.
»Versuche die
Ware für mich günstig einzukaufen, und lass sie gleich einpacken.« Ich
griff in meinen Geldbeutel und kam mit eine Hand voll Denare wieder
heraus. »Öffne deinen Geldbeutel.« Ohne nachzuzählen, ließ ich das Geld in
Gallus Beutel gleiten. »Wenn du nicht auskommst, melde dich bei mir.«
Octavius hatte uns beobachtet.
»Du vertraust
einem einfachen Legionär?«
»Wir kennen
uns schon länger und ich habe festgestellt, dass man ihm vertrauen kann.«
Jessika hielt
drei Bernsteine in der Hand. Der Händler nannte einen Preis. Jessika
schüttelte den Kopf. Der Händler wollte vier Denare haben, Jessika aber
nur zwei geben. Es war eine Freude sie beim Handel zu beobachten.
Schließlich einigten sie sich auf drei Denare und einen Sesterzen. Lena
war noch nicht dem Kaufrausch verfallen. Jeanette zeigte Interesse an den
Schmuck. Octavius kaufte eine Silberkette mit passenden Ohrringen. Ich
hörte, wie Gallus dem Händler fünfzig Denare für alle Glaswaren anbot. Der
Händler lief rot an vor Wut. »Du unverschämter kleiner Legionär, du hast
noch nicht einmal fünfzig Denare auf einen Haufen gesehen und erdreistest
dich, mir so ein Angebot zu machen.«
»Was meinst
du, was ich hier in meinen Beutel habe, wie Steine hört sich das nicht an.«
Die Umherstehenden fanden Gefallen an dem Schauspiel.
»Sage mir
deinen Preis,« forderte Gallus den Händler auf.
»Du meinst es
wirklich ernst. Für einhundertfünfzig kannst du alles haben.«
»Ich sehe
schon,« sagte Gallus, ich muss zu deinem Nachbar gehen, der lässt sicher
mit sich handeln.« Er drehte sich um und wollte den Stand verlassen.
»Halt, wir werden uns schon noch einig.«
»Nenn einen
vernünftigen Preis, wenn er mir nicht gefällt, gehe ich.« Nach einer Weile
kamen zögernd einhundertfünfundzwanzig Denare über die Lippen des
Händlers. Ohne ein Wort drehte sich Gallus um als wollte er gehen.
»Einhundertzehn,« schrie der Händler. Gallus schaute zu mir rüber, ich
nickte. »Abgemacht, und pack die Sachen ordentlich ein.«
In mir reifte
ein Plan. Die Handelsware war hier so billig, bei uns so teuer, warum
nicht damit handeln? Nur schade, dass mir nicht viel Zeit blieb die Ware
in aller Ruhe auszusuchen. Morgen würden sie weiterreisen. In Gedanken
überlegte ich schon, wo der Verkaufsraum sein sollte. Zu weit sollte er
nicht entfernt sein, da ich den Verkauf selber überwachen wollte. Als
Käufer kamen Museen und Sammler in Frage. Diese mussten sich bis jetzt mit
Bodenfunde zufrieden geben. Entsprechend sahen sie aus.
»Hallo
Kristian, kann es sein, dass du träumst?« Erschrocken zuckte ich zusammen.
Jessika
lachte mich an. »Über das Träumen bin ich schon hinaus, ich mache einen
Laden auf.«
»Wo?«
»Bei uns, die
Musen werden sich darum reißen.«
»Wenn du
meinst.«
»Ich habe
noch nicht mit dir darüber gesprochen, ich werde Octavius ein Stück
begleiten.«
»Ich komme
mit.«
»Das habe ich
mir gedacht. Es geht aber nicht, weil es zu gefährlich ist. Ich reite mit
bis zu Octavius Frau. Dort hole ich euch nach.« Man sah, dass ihr das
nicht gefiel. Schließlich sah sie ein, dass ich Recht hatte.
»Was haltet
ihr davon, wenn wir zurückgehen?«
»Wieso, wir
sind doch gerade erst hier.« sagte sie. »Hast Recht, ich gehe und komme
mit Tauschware wieder.« Gallus stand am Tor, vor sich die eingekauften
Sachen. »Gallus, wie viel Denare sind übrig?«
»Zehn.«
»Ist gut, die
darfst du behalten.«
Unterwegs mit Decimus dem Legionär.
Das Feilschen
wollte nicht so recht in Gang kommen. Der Händler forderte dreihundert
Denare, das höchste Gebot lag bei zweihundert Denaren. Der Sklavenhändler
wurde wütend und fing an, die Qualitäten des Sklaven aufzuzählen.
Möglichst unauffällig machte ich Fotos. Aus dem Verkauf wurde nichts, der
Sklave wurde zurückgeführt. Von der anderen Seite wurde eine Frau mit ihre
Tochter heraufgeführt. Sofort wurde es still. Der Geburtsort auf ihrem
Schild sagte mir nichts. Sie war hoch gewachsen, von erhabener Schönheit.
Auf jeden Fall kam sie von weit her. Ihre Kleidung war verschmutzt und
eingerissen. Stolz stand sie da, einen Arm um ihre Tochter gelegt. Diese
hatte die Schönheit der Mutter geerbt. Das Mädchen war vielleicht zwölf
Jahre alt.
Fünfhundert
Dinare, kam das erste Gebot von einem kleinen fetten Mann. Mit
sechshundert Denaren wurde er überboten. Als kein höheres Angebot kam,
sagte der Händler, sechshundert nur für die Frau. Gewaltsam wurden Mutter
und Kind getrennt. »Decimus, stell jetzt keine Fragen, hole die Pferde und
reite aus dem Ort. Dort wartest du auf mich.« Er wollte was sagen, ich hob
die Augenbraunen und schaute ihn an.
»Schon gut,
ich gehe ja schon.«
Ich stellte mich in die hinterste Reihe. Der Händler zerrte an der
Kleidung der Frau, bis jeder einen Blick auf ihre nackte Haut werfen
konnte. Ein Raunen ging durch die Zuschauer. Das Mädchen weinte und
streckte ihre Arme in Richtung der Mutter. Sechshundertfünfzig wurden von
dem kleinen fetten Mann geboten. »Achthundert Denare,« alle drehten sich
zu dem Mann um, dem man ansah, dass er reich war. Dem Händler sah man
seine Freude an. Die Tochter konnte sich losreißen und rannte zu ihrer
Mutter zurück. Jetzt wurde es Zeit einzugreifen. Einfach mit beiden Frauen
verschwinden, wollte ich nicht. Ich nahm die Gestalt eines alten Mannes
mit langen weißen Haaren an. In der Hand hatte ich einen Wanderstab. So
schlurfte ich auf das Podest zu. »Hat die Gier eure Augen vernebelt,« rief
ich, »seht ihr nicht, dass der Teufel in ihr steckt. Ihr würdet den ersten
Beischlaf nicht überleben.« Der Händler wurde wütend. »Alter Mann
verschwinde.« Der Frau schickte ich die Botschaft rüber, »erschrecke
nicht, ich werde euch in Sicherheit bringen.« Als sie keine Reaktion
zeigte rief ich, »seht ihr nicht das Feuer in ihr, es würde euch
verbrennen.« Ich ließ sie und das Kind fünfzig Zentimeter höher schweben.
Die beiden Frauen waren genauso erschrocken wie die Menschenmenge. Einige
Zuschauer rannten panikartig fort. Selbst der Händler mit seiner großen
Klappe hatte Angst. Ich stieg auf das Potest. Mit nach vorne gestreckten
Armen machte ich beschwörende Bewegungen.
»Weiche von
uns , verschone uns, kehre in dein Reich zurück. Ich berührte sie und
schrie, »oh, ich sehe sie in ihrem feurigen Heim, hört ihr nicht die
Schreie der Verdammten?« Sie versucht mich in ihr Reich zu ziehen, rettet
euch.« Jetzt gab es kein Halten mehr, die Menge stob schreiend
auseinander.
Dann wurden
wir unsichtbar, ich sprang mit ihnen zum Rand des Dorfes wo hoffentlich
Decimus wartete. Er musterte uns. »Ich habe so etwas ähnliches schon fast
erwartet. Du musst mir erzählen, was du dort angestellt hast. Hast du für
die Frau bezahlt?« Ich grinste ihn an. »Sie waren froh dass sie sie los
waren. Ich musste eingreifen, man wollte Mutter und Tochter trennen.«
Mutter und
Tochter hatten noch keinen Ton gesagt. »Entschuldige das Theater das ich
gemacht habe,« sagte ich zu ihr. »Du bist frei und kannst hingehen wohin
du willst.« Als sie nichts sagte, schlug ich vor, »es ist wohl besser, du
reitest mit uns zu Freunden, dann sehen wir weiter. Einverstanden?« Beide
nickten. »Ich heiße Kristian, der dort ist Decimus.«
»Mein Name
ist Riga, meine Tochter heißt Elana.« Ihre Stimme klang gebildet. »Wir
danken dir, obwohl wir nicht wissen, was eben passiert ist.« Decimus
lachte.
»Daran Frau,
wirst du dich gewöhnen müssen.«
Im Raumschiff der Atlanter
Es gab eine kurze
Unterbrechung als ein zweiter Schatten auf Ramos zutrat, mit ihm kommunizierte
und wieder ging. »Hast du einen Wunsch bevor wir die unmittelbare Nähe deiner
Welt verlassen?«
»Ich weiß nicht ob
das möglich ist, kannst du mich einen Blick auf meine Freundin werfen lassen,
ich konnte mich nicht verabschieden?« Ich zuckte zusammen, ich sah die Halle,
dann ein Schwenk durch die geschlossene Küchentür. Jeanette und Jessika saßen
mit Großvater am Küchentisch. Ich sah, dass Ramos nickte. Jetzt sahen sie mich
in einer Kugel, die vor ihnen schwebte. »Kristian, wo bist du?« fragte Jessika.
»Ich bin bei
Freunden, ihre Welt ist weit entfernt, wir sind noch nicht angekommen, macht
euch keine Sorgen, mir geht es gut.« Ich blickte auf die sechs Personen hinter
mir und hoffte, dass Jessika sie auch sah. »Aber da sind doch noch mehr
Menschen,« rief Jessika.
»Ja, aber nicht aus unsere Welt. Ich
muss jetzt Schluss machen, bis bald.« Interessiert hatten alle zugehört.
Ich sah gerade noch, dass Großvater was fragen wollte, als die Übertragung
erlosch.
Ich musste
vorsichtiger sein, Gedanken waren schneller wie ein gesprochenes Wort. »Du
siehst mich verwirrt, ich hatte nicht damit gerechnet hier eine schöne Frau
anzutreffen,« erwiderte ich auch in Gedankenform.
»Schön, was
bedeutet das?«
»Du bist schön.«
Sie lächelte mich an. »Mein Name ist Kristian, ich muss mich wohl vorsehen,
sicher bleibt dir kein Geheimnis verborgen?«
»Stimmt, du bist
wie ein offenes Buch.«
»Und wie kann ich
das verhindern?«
»Du kannst es
nicht, aber mein Gebieter.«
»Kannst du dir
vorstellen was dein Gebieter von mir will?« »Die Gedanken meines Gebieters kenne
ich nicht, er wird sie dir zur gegebenen Zeit, sicher mitteilen.«
»Da bin ich aber
beruhigt. Wie kommst du hierher, hat dein Gebieter dich auch entführt?«
»Was heißt
entführt?«
»Ich wurde
entführt, ich wurde nicht gefragt ob ich hierher wollte.«
»Nein, ich wurde
nicht entführt, wir dienen unseren Gebietern schon immer.«
»Was heißt wir,
gibt es noch mehr von deiner Art?« Ein Lächeln schlich sich auf ihr Gesicht.
»Oh ja, wer sollte
sonst die Arbeit hier machen?«
»Es gibt also
viele, wie viele?«
»Das weiß nur der
Gebieter.«
»Wie geht es jetzt
weiter?« fragte ich. »Mein Gebieter wird dich zu sich bitten.«
»Rela, sag mir wo
wir uns befinden, was für ein Haus ist das hier?«
»Haus?« Ich zeigte
ihr, was ein Haus ist. »Das ist ein Haus?« »Ja, es gibt große und kleine
Häuser.«
»Dieses ist ein
großes Haus, viel größer als dein Haus,« sagte sie. Ich sah woran sie dachte und
erschrak. Ein schwebender Koloss, wir waren im Weltraum unterwegs. »Wo bringt
mich dein Gebieter hin?« fragte ich. »In seine Heimat.«
»Kannst du mir
zeigen, wie es dort aussieht?«
»Wir leben die
meiste Zeit,« ich sah woran sie dachte »unter Wasser,« vollendete ich ihren
Satz.
»Wann werden wir
dort sein?«
»Ich weiß es
nicht.« Die Tür glitt auf und ein Mann trat ein. Er kommunizierte mit Rela. »Er
will, dass ich dich zum Gebieter bringe,« sagte sie dann. Wir gingen durch
endlose Gänge. »Wir müssen nicht laufen, du sollst nur ein Gespür für die Größe
unseres Hauses bekommen.« Wir waren schon eine Weile unterwegs. »Rela, geht das
nicht schneller?«
»Wie du willst.«
Sie steuerte auf eine Tür zu, die sich sofort öffnete. Der Raum war klein und
sah ähnlich wie eine Fahrstuhlkabine aus. Nur dass sie nicht rauf oder runter
fuhr. Die Tür schloss sich hinter uns. Rela bestimmte auf einem Sensorenfeld
unser Ziel. Ich hatte nichts gespürt, auf jeden Fall standen wir nicht mehr in
derselben Kabine. Die Tür öffnete sich, wir waren am Ziel. Ein großer Raum,
ähnlich eines Theaters mit mehreren Sitzreihen. Auf einem Podest davor stand ein
Stuhl, auf den ein Schattenwesen saß. In der ersten Reihe waren sechs Stühle
besetzt. Fünf Frauen und ein Mann in ebenso langen Gewändern wie ich es anhatte.
Diese erhoben sich, als sie uns sahen. Rela schob mich auf die Wartenden zu,
dann verlor ich sie aus den Augen. Ich stand jetzt im wahrsten Sinne des Wortes
zwischen den Stühlen. Der Schatten musste ein Zeichen gegeben haben, denn die
Anwesenden setzten sich. »Sei gegrüßt Mann von der Erde und Freund unserer
andersartigen Brüder. Du hast meine Botschaft angenommen und ich wusste, dass du
bereit warst, uns kennenzulernen sowie wir dich kennen lernen wollten.«
»Wie darf ich dich
ansprechen?« fragte ich.
»Sag Ramos zu mir.
Ich habe den Auftrag, dich in meine Welt zu bringen.«
»Warum mich, du
weist sicher, wie viele Menschen es in meine Welt gibt, darunter sind bestimmt
viele, die würdiger sind als ich, um eure Bekanntschaft zu machen?«
»Als die Nachricht
kam, dass du als erster Mensch die Anwesenheit unserer anderen Brüder kund
tatest und auf ihrer Heimatwelt eingeladen wurdest, wollten wir dich kennen
lernen.«
»Ramos, sage mir,
wer ihr seid? Wo kommt ihr her? Ihr seid Menschen wie wir, zumindest fast.
»Das, was du deine
Heimat nennst, war auch vor langer Zeit unsere Heimat. Es gab Katastrophen und
Kriege, die ein Teil unserer Vorfahren nicht mehr ertragen wollten. Mit unserer
Technik waren wir allen damaligen Völkern überlegen, was Neid und Missgunst
unseren Nachbarn reichlich Nahrung gab. Wir hätten sie alle auf einen Schlag
vernichten können, was ein großer Teil von uns auch vorhatte. Ehe es dazu kommen
konnte, stiegen die, die dieses verhindern wollten, in ihre Raumschiffe, damals
nannten sie es Himmelsgefährte, die an geheim gehaltene Orte bereit lagen, in
der ihr ganzes wissen gespeichert lag, und nahmen die zerstörerische Kraft mit.
Unsere Vorfahren verließen ihre Heimat und begaben sich auf die Suche einer
neuen Welt zwischen den Sternen.«
»Es gab ein Volk
von dem erzählt wird, dass es mächtig und seiner Zeit weit voraus war,« sagte
ich. »Sie sollen ihr Wissen zu unredlichen Dingen verwendet haben, was zu ihrem
Untergang geführt hat. Noch heute suchen sie nach diesem Land, das sie Atlantis
nennen.«
»Wir sind nicht
untergegangen, aber du hast Recht, unsere Vorfahren stammen von den Menschen ab,
die ihr Atlanter nennt. Wie ich schon sagte, ein Teil von uns zog es zu den
Sternen. Wir fassten Fuß auf den erstbesten erdähnlichen Planeten und breiteten
uns dort aus. Nach langer Zeit und technischem Wandel, besuchten wir unsere
Heimatwelt und fanden sie zerstört vor.«
»Willst du damit
sagen ihr seid das untergegangene Volk Atlantis?
Du weist, dass
heute immer noch nach dem sagenhaften Atlantis gesucht wird?«
»Ja, das wissen
wir. Nur sucht ihr an der falschen Stelle. Den Ort des früheren Atlantis gibt es noch und
ist nicht versunken.« Schwer zu glauben, wer würde mir das glauben?
' ______________________________________
Nachmittags rief
Kristel an. »Kristian, kannst du mal kommen?« »Was gibt es?«
»Komme einfach,
wenn es geht bald.« Meine Neugier war geweckt. Vom Krankenhausflur aus ging ich
in ihre Station. Ich fragte eine Schwester, wo ich Kristel finden konnte. Ich
klopfte und öffnete vorsichtig die Tür. »Danke dass du so schnell kommen
konntest.« In dem Krankenzimmer stand nur ein einzelnes Bett. Ein Junge mit
blauer Strickmütze und traurigen Augen blickte mir entgegen. Ich sah noch, dass
er von E.T. und Alienpuppen umgeben war, ehe Kristel mich aus dem Zimmer
geschoben hatte. »Ist das ein Fan von mir?« fragte ich.
»Nicht nur von dir,
du hast sicher gesehen wovon er schwärmt.«
»Ja, und was ist
mit ihm?«
»Sagt dir die Mütze
nicht genug, er hat Krebs im Endstadium.« Ich sagte nichts und wartete darauf,
dass sie mir mehr erzählte. »Seine Eltern sind auf dem Weg hierher, sie wissen,
dass er es wohl nicht bis morgen schafft. Dort kommen sie.« Vater und Mutter
hielten sich an die Hand. Ehe sie fragen konnten, was ich hier zu suchen hatte,
setzte Kristel zu einer Erklärung an. »Dies ist ein Freund von mir, er könnte
ihrem Sohn einen letzten Wunsch erfüllen.«
»Sie sind der
Freund der Alien aus der Zeitung,« stellte der Vater fest. Ich nickte.
»Wie wollen sie ihm
helfen?« fragte die Mutter. »Ich kann mit ihm eine Reise zu den Alien machen.«
»Aber doch nicht
wirklich?« fragte der Vater.
»Nein, aber er wird
glauben dass es echt ist. Weis ihr Sohn, dass er sterben muss?« Die Mutter
nickte unter Tränen.
»Ich werde ihm
meine Hand auflegen und er wird glauben, dass es Wirklichkeit ist.« Ich blickte
die Eltern an und wartete darauf, dass sie ihre Zustimmung gaben. Als sie
nickten, öffnete Kristel die Tür. Ein Lächeln huschte über das Gesicht des
Jungen, als er seine Eltern erkannte. »Mutter, du weinst ja, ist es so weit?«
Die Mutter stürzte auf ihren Sohn zu und umarmte ihn. »Du weist, dass nach
deinem Tod nicht alles vorbei ist, dein Opa im Himmel wartet auf dich und wird
sich um dich kümmern.«
»Aber was ist mit
euch, ihr werdet traurig sein?« Das war zuviel für mich, ich verließ das Zimmer,
und schämte mich nicht meiner Tränen. Kurz darauf folgte mir Kristel.
»Ich weis nicht ob
ich das schaffe,« sagte ich.
»Komm, wir gehen
ein Stück,« sie schob mich in den Flur.
»Mir geht das auch
nah, trotz dass ich dem Tod schon so oft begegnet bin. Der Junge ist auf seinen
Tod vorbereitet, du sollst ihm nur noch eine letzte Freude bereiten.« Wir gingen
wieder ins Zimmer. Der Junge sah mich an. »Du bist Edras Freund,« stellte er
fest. »Ja, und wenn du willst, werden wir eine Reise zu ihnen machen.« Mein
Blick fiel auf ein Foto, welches auf den Nachttisch stand. »Ist das dein Opa?«
»Ja, er wird mich
abholen.«
»Das ist gut.
Wollen sie an der Reise teilnehmen?« fragte ich die Eltern. Ihre Gesichter
blickten mich fragend an. »Ich stelle mich hinter ihren Sohn auf, sie setzen
sich je auf eine Seite und halten die Hand ihres Sohnes.«
»Kristel, hilfst du
mir mal das Bett ein wenig nach vorne zu ziehen?« Ich stellte mich am Kopfende
auf und legte eine Hand auf die Stirn des Jungen. »Wir schließen jetzt alle die
Augen. Was siehst du?«
»Ein Raumschiff.«
»Richtig, meine
Freunde warten schon auf uns, du hast sie sicher schon mal gesehen?«
»Ja.«
»Was passiert
jetzt?« fragte ich. »Der Eingang öffnet sich.« »Dann lass uns hinein gehen.« Ich
stellte mir Cyro und Systra vor und blinzelte kurz, um mich vom Zustand des
Jungen zu überzeugen. Der Junge hatte vergessen, dass er im Bett lag, jetzt sah
er sich im Cockpit stehen und beobachtete Cyro wie er das Raumschiff steuerte.
Auf einem Bildschirm sah er unter sich Städte und Dörfer vorbeirauschen.
»Wenn du willst,
darfst du das Steuer übernehmen.« Als wenn er nichts anderes gemacht hatte,
legte er seine Hände wie selbstverständlich auf die Sensoren. Ich sah kurz, dass
die Eltern von dem Spiel gefangen waren, Kristel stand abwartend im Raum. Das
Raumschiff hielt auf eine große Wolke zu. Bald war es von der Wolke umgeben.
»Ich sehe nichts mehr,« rief der Junge. Sofort bildete sich eine Öffnung, ein
langer Tunnel war zu erkennen.
Der Eingang war von
gedämpftem Licht umgeben. Je weiter man hinein blickte, desto heller wurde es.
Lichtgestalten schienen auf einen zu warten.
Ganz am Ende
tauchte eine Gestalt auf und wartete. »Ich sehe Opa, er möchte dass ich zu ihm
komme.«
»Bist du sicher,
dass du zu ihm möchtest?« fragte ich.
»Ja, sie sind doch
alle meinetwegen gekommen um mich abzuholen.«
»Dann gehe.« Der
Junge schwebte durch das geschlossene Außenschott auf den Tunnel zu. Als er die
Hälfte des Weges geschafft hatte, drehte er sich um und winkte dem Raumschiff
zu. Als er seinen Opa erreicht hatte, klopfte Kristel mir auf die Schulter. Ich
öffnete die Augen, ebenso die Eltern. Kristel deutete auf ein Gerät, auf dem
eine durchgehende Linie gezeigt wurde.
»Er hat uns
verlassen,« sagte Kristel. »Ich muss gehen,« sagte ich, verließ das Zimmer und
sprang vom Treppenflur aus nach Hause zu unserem Pferdestall. Ich musste
alleine sein, weil ich das Geschehene noch nicht verarbeitet hatte. Ich legte
meinen Kopf gegen den Hals meines Pferdes und die Tränen suchten sich einen Weg
durch sein Fell. Ich weis nicht wie lange es gedauert hat, die Tränen hatten
einen Teil der Last von mir weggespült.
»Hallo ist dort
jemand?« Erschreckt zuckte ich zusammen. Ich hatte die Stalltür offen gelassen.
»Kristian, bist du das?« Schnell wischte ich über meine Augen und langte zu der
Fellbürste. Jessika stand in der Tür. Ich versuchte mein Gesicht von ihr
abzuwenden. Eine Weile sah sie schweigend zu. Sie spürte dass etwas nicht
stimmte. Um ihr zuvor zu kommen sagte ich, »stell jetzt keine Fragen, lass mich
bitte alleine. Wenn dich das nicht zufriedenstellt rufe Kristel an.«
Ich hörte, wie sie
sich ohne Kommentar umdrehte und ging. Ich sattelte mein Pferd und führte es
nach draußen. Ohne Ziel ritt ich davon.
Als ich nach einer
Stunde zurückkam, fühlte ich mich besser. Ich erkannte wie sie mich alle
ansahen, dass sie Bescheid wussten. »Ich soll dir im Namen der Eltern ausrichten
dass sie dir dankbar sind. Sie waren sich nicht sicher ob das wirklich der Opa
war den sie gesehen hatten oder nur eine Fiktion von dir.« »Ich habe den Opa auf
einem Bild gesehen das am Krankenbett stand, der Junge sollte denken dass sein
Opa auf ihn wartet.« »Kristian du bist ein Schatz,« Jessika nahm mich in den
Arm. »So, das war genug, ich möchte darüber nicht mehr sprechen.«
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Leseprobe Buch 1
Leseprobe Buch 2
Leseprobe Buch 3. in Arbeit.
Ich war Gast bei den Melchiors, weil
ich in Ruhe an meinem Buch arbeiten wollte.
Klara war in der
Schule. Ich hatte nicht vor auszureiten. Beim letzten Ausritt hatte ich eine
Bergspitze entdeckt, auf der ein Kreuz stand. Das schien mir ein Ort zu sein, wo
ich ungestört und ohne äußere Einflüsse schreiben konnte. Ich nahm meinen
Schreibblock, das Kreuz vor Augen, sprang ich. Es war schon ein verdammt guter
Aussichtspunkt. Die Täler unter mir lagen teilweise unter eine Decke aus Nebel
versteckt. Der Gipfel war von einer Holzbrüstung umgeben. Ein schmaler Pfad
führte den Berg hinunter. Es war sicher eine anstrengende Bergtour um hierher zu
gelangen. Eine Bank lud zum Verweilen ein. Ich setzte mich und schrieb. Es
mochte eine Stunde vergangen sein, als sich jemand schnaubend näherte.
Aufblickend sah ich eine junge Frau, sie mochte um die fünfundzwanzig Jahre alt
sein, näher kommen. Sie war bergmäßig angezogen, hatte aber keinen Rucksack
dabei. Sie sah zu mir herüber. Ich rückte etwas zur Seite, was wie eine
Aufforderung wirken sollte, sich zu mir zu setzen. Sie musterte mich. Ich war
nicht gekleidet wie jemand, der einen Berg erklimmen wollte oder hatte. »Sie
sind so hier hoch gekommen?« fragte sie.
»Ja, ich hatte
gehofft, hier in Ruhe schreiben zu können.«
»Und durch mich ist
ihre Ruhe jetzt gestört?« »Nein, das wollte ich damit nicht sagen.« Sie stellte
sich an die Brüstung und blickte ins Tal hinunter. Einzelne Nebelbänke hatten
sich aufgelöst und man konnte vereinzelt Häuser entdecken. »Was treibt sie schon
zu so früher Stunde hier rauf?« fragte ich. Sie antwortete nicht. Irgendetwas
stimmte nicht mit der Frau. »Bleiben sie noch länger hier?« fragte sie.
»Ja, hatte ich
eigentlich vor.« Sie drehte sich zu mir um. Ungewollt sprangen mir ihre Gedanken
entgegen und ich sah woran sie dachte. Sie sah sich in Gedanken mit ausgebreiteten
Armen den Berg hinunter stürzen. Die Holzbrüstung und ihr Wille waren das
einzigste Hindernis, dass es noch zu überwinden galt. »Warum schauen sie mich so
an?« fragte sie.
»Haben sie sich das
genau überlegt, sie werden es nicht schaffen, frei wie ein Vogel hinunter zu
fliegen. Wenn sie unten aufschlagen, ist es vorbei mit dem Fliegen«
»Warum
erzählen sie mir das?«
»Ich will damit nur
sagen, dass ihre Eltern sie dann nicht mehr erkennen würden.«
»Wer sind sie
eigentlich?«
»Vielleicht bin ich ihr Schutzengel?«
»Wie ein Engel
sehen sie nicht aus.«
»Wie muss ein Engel
aussehen, vermissen sie meine Flügel?«
»Sie sind ja
verrückt.«
»Also was ist,
geben sie ihr Vorhaben auf? Ich bekomme für jede gerettete Seele ein
Fleißkärtchen.« »Du willst mein Schutzengel sein, dann kennst du sicher meine
Eltern?« Ich sah sie an. Hinter ihre Stirn schien sie mir ihre Eltern vorstellen
zu wollen. Ihren Vater sah ich in einen Arztkittel vor mir. Bei der Mutter war
ich mir nicht sicher. Die Junge Frau dachte an ihre Mutter, von Geldbündeln
umgeben. Ich wechselte auch ins du. »Dein Vater ist Arzt, deine Mutter verwaltet
das Geld Anderer.«
»Du scheinst
einiges über mich zu wissen, und du hast gewusst, weswegen ich hierher gekommen
bin? Und du könntest sofort von hier verschwinden?«
»Ja«
»Dann tue es.« Als
ich unsichtbar wurde, erschrak sie. Ich machte mich wieder sichtbar. »Glaubst du
mir jetzt?«
»Ich bin kein
gläubiger Mensch.«
»Das macht nichts,
drehe dich um und gehe nach unten.« Oder besser, ich bringe dich nach unten?«
»Ich schaffe das
schon.«
»Ich weiß, aber mir
macht es keine Mühe, gib mir deine Hand.« Als wir unten im Tal ankamen und sie
sich dessen bewusst wurde, war sie erschrocken. Ich sprang zurück. Ich wusste
nicht, was für eine Erklärung sie sich für unsere Begegnung zurecht legen würde.
Vielleicht würde sie es später noch einmal versuchen. Es war kurz vor der Zeit,
wo Klara aus der Schule kommen würde. Ich sprang zurück. Als Klara mich sah,
fragte sie, wie viele Seiten ich geschrieben hatte. Ich hielt ihr meinen Block
entgegen. »Du warst fleißig.«
»Du rätst nicht, wo
ich war?«
»Sag schon.«
»Kennst du den Hügel mit dem Kreuz drauf?« »Ja«
»Ich habe dort
geschrieben. Eine Junge Frau war dort und wollte sich herunterstürzen.«
»Und du hast sie
gerettet?« »Ich habe es ihr ausgeredet. Sie denkt, ich sei ihr Engel der sie
beschützt hat.«
»Siehst du sie
wieder?« »Warum sollte ich?«
Als ich auf die Straße trat stand mir
die Frau vom Berg gegenüber. »Ich wollte es glauben, aber sie sind niemals ein
Engel, sie haben sich über mich lustig gemacht.« »Ich habe dich ins Tal
gebracht,« erinnerte ich sie. »Das stimmt,« sagte sie nachdenklich. »So, ich
muss jetzt weiter.« »Halt, darf ich dich berühren?« »Wenn du willst?« Ziemlich
fest umschloss sie meinen Oberarm. »Hast du was anderes erwartet?« fragte ich.
»Gehe jetzt bitte nicht, ich möchte dich besser kennenlernen.« »Engel kommen und
gehen, sie sind immer beschäftigt.« »Und sie gehen einkaufen?« »Ja du hast
recht, klingt schon ein wenig verrückt. Habe ich dich wenigsten davon abgebracht
dass du dir was antun wolltest?« »Ja, schon, sage mir endlich wer oder was du bist?«
»Komm, da vorne können wir uns hinsetzen. Unter einen Baum stand eine Bank auf
der wir uns setzten. Sie schaute mich abwartend an. »Nun fang schon an,« drängte
sie. »Ist dir nie in den Sinn gekommen wer so etwas kann, dich ins Tal zu
bringen?«
»Nein, warte, ich wüsste jemand, aber das kann nicht sein.« »Warum
nicht?«
»Das wäre zu verrückt, was machst du hier?«
»Ich mache Urlaub.«
»Ganz
alleine?«
»Ich kenn hier jemand, ich wohne dort.«
»Da kommt nur eine in Frage.
Du wohnst bei Klara.«
»Vielleicht.« »Aber wieso hast du gewusst was ich
vorhatte?« »Es stand dir auf der Stirn geschrieben.« »Meine Gedanken, du
hast sie gelesen, auch das über meine Eltern.« »Ich gestehe.« »Wohnst du
schon länger bei Klara?« »Ein paar Tage.« »Klara hat sich nichts anmerken
lassen.« »Du kennst Klara näher?« »Ich bin Lehrerin, dann hast du Klara gesund
gemacht?« »Ich habe etwas geholfen. Sagst du mir deinen Namen?«
»Veronika.«
»Dann ist ja alles geklärt, oder nicht?« sagte ich. »Ja schon, die Welt
ist schon verrückt,« sagte sie. Ich ging.
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»Vater, ich möchte morgen mit Kristian
ausreiten.«
»Ich habe nichts dagegen.« »Du bist
der beste Vater.« Herr Melchior sah mich an, ich sah Klara an. »Gibt es etwas,
dass ich wissen müsste?« fragte Herr Melchior. »Kristian möchte die Germanen
besuchen, du weist doch, er hat bei ihnen gelebt.« Ich schaute den Vater nicht
an, tat unbeteiligt. »Klara du weist, wie ich darüber denke.« »Vater, sie sind
ganz friedlich.« Herr Melchior ließ Klara stehen und ging ins Haus. »Was soll
ich machen, warum ist er so stur?« fragte Klara.
»Wenn du später mal Kinder hast wirst
du das verstehen.«
»Später, später, und was ist mit
jetzt?« fauchte sie und ging ins Haus. Zum Abendbrot saßen wir wieder zusammen.
Klara bombardierte mich mit Blicken, ich sollte die Germanen wieder zum
Gesprächsthema machen. Ich wollte nichts erzwingen, schließlich war ich
Gast hier. Unsere Geduld zahlte sich aus. Herr Melchior fing von selber davon
an. »Also was ist mit den Germanen?« fragte er.
»Kristian will sie morgen besuchen.«
»Ich hoffe doch erst nach der Schule?« Ich nickte ihnen zu. »Meinetwegen,« sagte
er dann. Klara fiel mir vor Freude um den Hals und drückte sich länger wie nötig
an mich. Ich wusste, dass sie etwas für mich empfand. Als sie ging sagte ich,
»du weist, dass du keinem davon erzählen darfst. Wenn du ein Tagebuch hast dann
schreibe deine Empfindungen dort hinein. Später wenn du darüber berichten
darfst, wirst du dich besser an alles erinnern.« Ich schrieb noch ein paar
Seiten und ging dann schlafen.
Es war noch ein wenig frisch. Die
ersten Sonnenstrahlen wagten sich hervor. Ich dachte an Jessika. Als ich für
einige Wochen verschollen war, hatten die Elfen mein Medaillon, welches für mich
keine Bedeutung mehr hatte weil ich ein Implantat bekam, für Jessika wieder
aktiviert, damit sie mich suchen konnte und Riga eine ehemalige Sklavin im
römischen Reich mit Waren beliefern konnte. Ich fragte mich, ob die Elfen ihr
die Kraft des Medaillons lassen würden, nachdem ich wieder zurück war. Jessika
konnte jetzt so wie ich durch die Tore springen. Lautlose Kommunikation und
Gedanken lesen konnte sie jedoch nicht. Ich hätte mich nicht gewundert wenn sie
hier eines Tages auftauchen würde.
. Es war schon ein
Uhr, als Gerti Klara von der Bushaltestelle abholte. »Wir können,« sagte Klara,
als sie bei mir stand. »Darf ich wenigstens vorher noch etwas essen?« fragte
ich. Nach dem Essen zog sich Klara um. Gerti hielt ihr eine Tüte hin. »Was soll
ich damit?« »Gastgeschenk,« sagte Gerti nur. »War das deine Idee?« fragte Klara.
Ich nickte. Wir sattelten die Pferde und saßen auf. »Klara, wenn was ist, du
musst sofort auf Tuchfühlung an mich heran kommen.«
»Meinst du, es
könnte gefährlich werden?« »Nur für alle Fälle.«
Wir waren auf dem
Weg zum Fürsten. Einen Kilometer von der Siedlung entfernt, kamen wir an. »Sind
wir hier auch richtig?« fragte Klara, »ich sehe keine Germanen.«
»Warte es ab.« Die
Siedlung machte einen friedlichen Eindruck. Sie lag auf einer Anhöhe hinter
einen Palisadenzaun. Ich dachte daran, als die Wiesen davor noch voller Zelte
gestanden hatten. Jetzt waren die Wiesen leer. Man hatte uns entdeckt. Wir
ritten durch das Tor. Es herrschte eine bedrückte Stimmung. Armelinde die
Enkelin des Fürsten kam auf uns zu. »Was ist passiert?« fragte ich. »Der Fürst
ist krank.« »Schlimm?« »Die Heilerin sagt ja.« »Bringst du mich zum Fürsten?« Er
lag auf ein Bett voller Felle. Fiebrige Augen blickten mich an. »Kristian ich
werde zu meinen Ahnen reisen.«
»Was ist passiert?«
fragte ich Armelinde nochmal. »Bei einer Wildschweinjagd ist sein Arm von einem Ast
aufgespießt worden, die Wunde hat sich entzündet.« Der Fürst hatte sich
anscheinend damit abgefunden seinen Ahnen entgegen zu treten. Jetzt konnte nur
noch unsere Medizin helfen. »Klara, ich muss dich alleine lassen und unseren
Heiler holen. Armelinde erschrecke jetzt nicht, ich komme gleich wieder.«
Ich stand im Flur
unseres Krankenhauses und suchte Sonja die Ärztin. Eine Schwester sagte mir wo
ich sie finden würde. »Kristian was ist los?« »Du musst mitkommen, der Fürst
liegt im Sterben.« Was fehlt ihm denn?« »Vermutlich eine Blutvergiftung.« »Warte
ich packe meine Tasche und sage, dass ich zu einen Notfall unterwegs bin.« Ich
nahm ihre Tasche und wir waren wieder beim Fürsten. Sonja ging auf das Lager des
Fürsten zu. Eine ältere Frau war jetzt auch da. Armelinde sah meinen fragenden
Blick. »Die Heilerin,« erklärte sie. Sonja sah auf den verbundenen Arm des
Fürsten. Vorsichtig hob sie ihn an, ich half ihr den Verband zu entfernen.
Die Heilerin sah aufmerksam zu. Der Arm sah wirklich nicht gut aus. Eiter lief
aus der Wunde. Sonja tastete den Arm ab. Mit einer Pinzette stocherte sie in die
Wunde und zog dann ein Stück Ast aus der Wunde. Sie spülte die Wunde aus, der
Fürst bekam eine Spritze. »Ich kann die Wunde noch nicht zunähen,« meine Sonja,
»wir müssen abwarten.« Ich wusste, dass wir die Heilerin an den Heilungsprozess
beteiligen mussten. »Sage ihr, was sie machen soll,« bat ich Sonja. »Sie kann
jetzt noch nichts machen, erst muss die Entzündung abklingen.« Die Heilerin sah
stumm zu wie Sonja den Arm verband. »Wir sollten seine Heilkräfte aktivieren,«
sagte ich. »Der Erfolg ist größer, wenn wir das zusammen machen,« schlug Sonja
vor. »Ja, du hast recht. Ich hatte Sonja meine Kräfte übertragen, so dass sie
auch in der Lage war, die Heilungskräfte zu aktivieren. Wir knieten auf beide
Seiten des Lagers nieder und legten unsere Hände auf den Körper des Fürsten. Der
Strom setzte sofort ein. Der Körper des Fürsten saugte unsere Energie gierig
auf. Das Gesicht des Fürsten entspannte sich. Nach zehn Minuten schaute
ich Sonja an. Sie nickte mir zu. Wir standen auf. »Ich habe noch nie so deutlich
gespürt, dass ein Körper meine Energie aufgenommen hat,« sagte Sonja. »Ja, das
habe ich auch deutlich gespürt, ich hoffe, dass die Übertragung noch
rechtzeitig stattgefunden hat.« Armelinde hatte mit großen Augen zugeschaut. Der
Heilerin konnte man keine Regung ansehen. »Ihr seid mächtige Heiler, seht nur,
die Haut des Fürsten ist nicht mehr so blass,« stellte Armelinde fest. Ich hatte
nicht darauf geachtet, aber jetzt sah ich es auch.
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»Also warum ich hier bin. Ich möchte
dass sie mich auf meine Reise nach Dubai begleiten. Als Beschützer. Ich bin
Diamantenhändlerin. In Dubai gibt es kaum Kriminalität. Trotzdem muss ich damit
rechnen, dass man versucht, mir meine Diamanten zu stehlen.« Abwartend schaute
sie mich an. »Warum ich, ich habe keine Ausbildung als Bodyguard.« »Die brauchen
sie nicht. Bei Gefahr verschwinden sie einfach, wenn es geht nehmen sie mich
gleich mit. Wir werden drei bis vier Tage in Dubai sein.« Als sie sah dass
keiner eine Frage stellen wollte fuhr sie fort. »Pro Tag erhalten sie
eintausendfünfhundert Euro. Alles anfallenden Kosten übernehme ich. Wir werden
in der ersten Klasse fliegen.«
»Als wir auf den Malediven Urlaub gemacht hatten,
wollten wir einen Ausflug nach Dubai machen. Leider ist daraus nichts
geworden,« sagte ich. »Was halten sie von meinem Angebot,« fragte sie. Nach
Dubai hätte ich auch alleine fliegen können. Ich dachte an meine Steine die ich
von den Atlantern bekommen hatte. Ich würde reiche Scheichs kennen lernen, denen
ich meine Steine anbieten könnte. »Ich bin dabei,« sagte ich. »Wenn ich ehrlich
bin, habe ich nicht damit gerechnet, dass sie so schnell zusagen.«
»Ich wollte schon immer einen Scheich
kennenlernen.« »Sie werden keinen persönlichen Kontakt mit ihnen haben,« legte
sie meinen Status sogleich fest. Mir würde schon was einfallen.
. Der Scheich fragte
Frau Wachtmeister, wie es ihrer Familie ging. Ich schaute nach draußen. »Darf
ich?« fragte ich den Scheich und deutete nach draußen. Er nickte. Ich schob die
Terrassentür auf und hinter mir wieder zu. Für mich gab es kein schöneres Pferd
wie den Araber. Die Pferde hatten mich entdeckt und kamen näher. Sie schnauften.
Ich war ein Fremder in ihrem Revier. Ich sprach zu ihnen was sie zu beruhigen
schien. Erst kam das Eine, dann das Andere. Ihre Nüstern berührten meine
ausgestreckte Handfläche. Sie ließen zu, dass ich ihre Stirn berührte. Dann
beugte ich mich vor und legte meine Stirn gegen die Stirn eines Pferdes. Lautlos
sprach ich auf sie ein. Ein Blick zurück und ich sah, dass der Scheich mich
beobachtete.
Ich trat einen
Schritt zurück. Die Pferde drängten schnaubend gegen den Zaun, ihre Köpfe gingen
rauf und runter. Es sah so aus, als hätte ich ihre Freundschaft gewonnen. Der
Scheich und Frau Wachtmeister kamen nach draußen. Er sah mich durchdringend an.
»Was haben sie mit meinen Pferden gemacht? Sie benehmen sich nicht normal.« »Ich
habe ihnen gesagt, dass ich ihr Freund sein möchte.« »Sie kennen sich mit
Pferden aus?« »Wir haben selber drei Pferde. Natürlich nicht so edel wie ihre.«
»Wie alt sind ihre Pferde?« »Bei meinem Pferd ist das schwer zu sagen, es kommt
aus dem Mittelalter.« Ich merkte, dass ihn meine Antwort verwirrte. Er wollte
sich keine Blöße geben und fragte deshalb nicht weiter.
»Darf ich sie Beide zu einem
Pferderennen einladen?« fragte der Scheich. »Ja gerne,« sagte ich. Wir
gingen ins Haus zurück. Ich hatte sein Interesse geweckt. Er sah mich an.
»Ist ihr Beruf Bodyguard?«
»Nein, Frau Wachtmeister bat mich sie zu begleiten. Wir hatten es schon bis auf
die Malediven geschafft und wollten eigentlich auch Dubai besuchen. Dazu ist es
dann nicht mehr gekommen. Frau Wachtmeisters Angebot kam mir gerade recht, um
ihr Land kennenzulernen.« »Entschuldigen sie, ich weiß immer noch nicht womit
sie ihr Geld verdienen?« fragte er. Ich sah zu Frau Wachtmeister und schüttelte
unmerklich meinen Kopf. Sie sollte nichts sagen. Dem Scheich schien das nicht
entgangen zu sein. »Ich bin Forscher und reise durch die Welten.« Das Wort
Welten in der Mehrzahl machte ihn stutzig. Wohl aus Höflichkeit hielt er sich
vor weiteren Fragen zurück. »Und damit kann man Geld verdienen?« fragte er. »Ich
mache Schätze vergangener Zeiten ausfindig. Römische Waren und Waffen, das
Mittelalter hat auch viel zu bieten.« Wieder hielt er sich zurück. Die Tür ging
auf und ein Scheich in Miniaturformat stürmte ins Zimmer. »Darf ich ihnen
meinen Sohn Faysal vorstellen?« Er mochte vielleicht acht Jahre alt sein. »Ich
heiße Kristian,« sagte ich und hielt ihm meine Hand entgegen. Er nahm sie
entgegen. »Du warst bei unseren Pferden.« »Ja, ich habe sie begrüßt.«
»Ich habe
gesehen, dass sie dich mögen.«
»Ja, ich mag sie auch.« »Warum bist du hier?« »Ich begleite Frau Wachtmeister,
sie hat wertvolle Steine mitgebracht.«
»Ich habe unsere Gäste zum Pferderennen eingeladen, vielleicht willst du
mitkommen?« lenkte der Vater ab. Dann stand er auf. »Wir treffen und dann um
achtzehn Uhr dreißig an der Bahn?« Frau Wachtmeister nickte. Als ich den Koffer
nehmen wollte sagte der Scheich, »Wenn sie wollen schließe ich ihn bei mir ein?«
Frau Wachtmeister konnte es schlecht ablehnen, sonst sah es so aus als würde sie
ihm nicht trauen. Sie nickte mir zu. Ich ließ den Koffer liegen. Er war
abgeschlossen, man müsste ihn schon aufbrechen. Der Scheich brachte uns zur Tür.
Davor wartete schon ein Wagen der uns zurück bringen würde. Der Blick des
Scheichs traf mich. Ich lächelte ihn an, was ihn sicher noch mehr verunsicherte.
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Eine halbe Stunde später erreichten wir die Rennbahn. Wir warteten vor dem
Eingang. Das Auto des Scheichs fuhr vor, er winkte uns zu sich. Er stieg aus,
sein Sohn folgte ihm mit einem Hund an der Leine. Wie erwartet gingen wir auf
einen der besseren Ränge zu. »Scheich Abad bin el-Cadif, haben sie gewettet?«
fragte ich. »Das gehört beim Pferderennen dazu,« antwortete er. Unter uns wurden
die teilnehmenden Pferde vorbeigeführt. Es waren keine reinblütige arabische
Pferde. Punkt neunzehn Uhr läutete eine Glocke den Rennbeginn ein. Die Ränge
waren gut besetzt. Das Rennen begann. Für mich war das Beobachten der Zuschauer
interessanter, als das Rennen selber.
Ein
Aufschrei ließ mich wieder auf die Bahn sehen. Der Hund von Sohn Faysal rannte
über das Feld einem imaginären Hasen nach. Gab es sie in der Wüste überhaupt?
Kurze Zeit später rannte Faysal hinter ihm her. Die Menge schrie auf. Das Feld
der Reiter näherte sich. Diese hatten die Gefahr sicher bemerkt. Kein Reiter
wollte seinen erkämpften Platz freiwillig aufgeben.
Noch einhundert Meter. Der Junge sah die Reiter auf sich zukommen und wollte
zurück rennen, was keinen Unterschied machte. Der Hund hatte sich längst in
Sicherheit gebracht. Die Zuschauer schrien auf. Für mich war keine Zeit zu
verlieren. Die Zuschauer sahen das unvermeidliche Unglück kommen. Noch
rechtzeitig packte ich zu und verschwand mit Faysal in die höheren Ränge. Faysal
saß, die Hände schützend über den Kopf haltend, neben mir. »Was ist passiert?«
»Du weist schon was du falsch gemacht hast?« fragte ich. Der Reiterpulk rauschte
vorbei. Alle rechneten damit ein zerfetztes Bündel Mensch zu sehen. Von dem
Jungen war nichts zu sehen. Hatte ein Pferd ihn mitgeschleift? Es war still, wer
beim Rennen der Sieger war interessierte im Moment keinen. Ein Rettungswagen
raste auf das Feld. Suchend schaute der Scheich über das Feld. Dann ein Blick
hinter sich auf die hinteren Ränge. Für ihn musste das eine Fata Morgana
sein. Dort sah er seinen Sohn neben mir sitzen. Die Menge wurden aufmerksam und
folgte seinem Blick. Dann sah man ihn losrennen und seinen Sohn umarmen. Er
blickte erst mich an, dann seinen Sohn an. »Was ist passiert?« fragte er. »Die
Pferde kamen auf mich zu,« schluchzte sein Sohn, »Ich weis nicht wie ich
hierher kam.« Der Vater nahm seinen Sohn an die Hand und ging in seine Loge.
Mich streifte ein letzter Blick. Auf einer digitalen Wand lief das Ereignis
erneut ab. Der Junge war plötzlich verschwunden. Dann in Zeitlupe, was auch
keine Klarheit brachte. Es sprach sich schnell herum, dass der Junge wieder bei
seinem Vater war. Eine Fernsehkamera richtete sich auf Vater und Sohn. Ein
Fernsehsprecher erschien mit einem Mikrofon. Der Scheich schüttelte seinen Kopf
und sah zu mir hoch. Die Kamera folgte seiner Blickrichtung. Ich stand auf und
ging zum Ausgang, wo Frau Wachtmeister schon wartete. Ein Auto raste heran. Der
Scheich mit Sohn stiegen ein. Er sah uns abseits stehen, winkte uns zu sich. Wir
stiegen in das Auto das sofort abfuhr. Mehrere Wagen versuchten uns zu folgen.
Das Pferderennen war direkt übertragen worden. Die Frau des Scheichs stand schon
in der Tür, als wir vorfuhren. Sie rannte ihrem Sohn entgegen und drückte ihn an
sich. Wir waren ausgestiegen und wussten nicht, ob jetzt der richtige Zeitpunkt
war, sich ihnen anzuschließen.
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Ein paar Tage
später fuhr Lena vor. »Ich brauche etwas, worüber ich schreiben kann,
deshalb habe ich mir folgendes ausgedacht.« Wir schauten sie gespannt an.
Lena genoss die Aufmerksamkeit, die wir ihr schenkten. »Nun sag schon
endlich,«
maulte Jeanette. »Ihr werdet zu Legionären ausgebildet.«
»Wie bist du denn darauf gekommen?«
Ich habe mir
Folgendes gedacht. Während ihr mit den Legionären rumspielt, stehe ich mit
der Kamera oben auf der Palisade und nehme das auf.«
Ich schaute von Jessika zu Jeanette. Ihrem Gesichtsausdruck nach schienen
sie nicht abgeneigt zu sein.
»Ihr tragt
drahtlose Mikrofone, schließlich soll das kein Stummfilm werden.«
»Wann soll es losgehen,«
fragte Jeanette. »Wenn ich alles beisammenhabe.«
»Dann könnten
wir ja schon mal mit dem Tribun reden,«
schlug ich vor.
»Nein das ist
noch zu früh, ich will das alles mit auf dem Film haben.«
»Die Zuschauer verstehen kein Latein,«
wand ich ein. »Das macht nichts, die Übersetzung wird unten eingeblendet.«
Der Tag
verging. Am nächsten Vormittag erschien Lena mit ihrer Ausrüstung. »Was
willst du denn mit den Scheinwerfern?«
»Ich muss den Raum vom Tribun ausleuchten.«
Jeder hielt ein Teil von Lenas Ausrüstung in Händen, als wir sprangen. Vom
Waldrand aus sahen wir das gewohnte Bild des Kastells. Wir schritten durch
das Tor, als uns Rufus der Rote entgegenkam. »Ihr seid ohne Pferde,«
stellte er fest. »Wir müssen mit dem Tribun reden, du kommst am besten
gleich auch mit.«
Der Tribun saß über eine Schriftrolle gebeugt am Tisch und freute sich über
eine Ablenkung und die Flasche Wein, die ich vor ihm hinstellte.
»Was habt ihr
vor?«
fragte er und sah zu Lena hin, die ihr Beleuchtungsstativ aufstellte. Ich
wollte den Tribun gerade aufklären, da gab Lena mir zu verstehen, dass sie
noch nicht soweit wäre. Wir standen alle beim Tribun, als Lena ein Zeichen
gab und ihre Kamera einschaltete.
»Tribun wir möchten lernen mit dem Schwert zu kämpfen.
»Was habt ihr vor, die Germanen sind im Moment keine Gefahr.
»Die Germanen
nicht, Römer haben mich schon ein paarmal in Bedrängnis gebracht.«
»Das waren wohl
keine guten Kämpfer, du lebst ja noch.«
»Du hast recht,
ich hatte meistens einen Stock dabei.«
»Ich weis
nicht, ob unsere Männer gegen die Frauen kämpfen wollen?«
zweifelte Rufus, nachdem ich erklärt hatte, was wir vorhatten. »Sie werden
sich darum reißen mit ihnen kämpfen zu dürfen,«
versprach ich. »Wir sind Anfänger und hoffen auf ein wenig Rücksicht.«
»Wir möchten so
aussehen wie eure Legionäre und einen Schutz wie sie ihn haben,«
sagte Jessika. Rufus grinste vor sich hin. »So kleine Rüstungen werden wir
in der Zeugkammer nicht haben,«
meinte er.
»Rufus gehe mit
ihnen in die Zeugkammer, wenn es nicht passt, dann macht es passend,«
sagte der Tribun. Er schielte zu seiner Flasche und wollte uns loswerden.
»Schnitt,«
rief Lena und schaltete ihre Kamera und Leuchte aus. Wir gingen zur
Zeugkammer, Lena, rückwärtsgehend, mit laufender Kamera voraus. Rufus stieß
die Tür auf. Drei Legionäre sprangen auf und verdrückten sich, als sie Rufus
sahen. Lenas Leuchte war schon an, als sie sich hinter den Mann der
Zeugkammer stellte und die Kamera zuschaltete. Der Mann wusste nicht, wie
ihm geschah, und wusste nicht, wohin er zuerst schauen sollte. Rufus
erklärte ihm, weswegen wir hier waren. Anfänglich noch etwas verwirrt,
schien ihm die Sache langsam Spaß zu machen. Jeder bekam eine rote Tunika.
Der Körperschutz bestand aus dicken überlappenden Lederstreifen, der
Schultern und Körper abdeckte. Es folgte ein Ledergürtel, an dem
metallbeschlagene Lederriemen zum Schutz des Unterleibs baumelten. Für mich
wurde eine passende Rüstung gefunden. Für die Frauen wollte er bis morgen
alles passend machen, nachdem er mit Freude an den Frauen herumgezerrt
hatte. Zum Schluss einen Lederriemen über die Schulter, an dem das Schwert
hing. »Das brauchen wir doch wohl nicht,«
wand Jessika ein. »Doch,«
meldete sich Lena, »ich will euch voll ausgerüstet sehen.«
»Dann folgten noch die Ledersandalen. Zum Schluss bekam jeder noch einen
Lederhelm angepasst.
»Die Sachen
könnt ihr erst mal hier liegen lasse,«
meinte Rufus. Lena schaltete die Kamera und Beleuchtung aus.
Draußen verabschiedeten wir uns und versprachen, morgen wiederzukommen.
Lena war schon frühzeitig am anderen Morgen da. Wir saßen noch am
Frühstückstisch.
»Kinder,«
sagte Großvater, »wenn ihr wiederkommt, möchte ich, dass ihr mir zeigt, wie
ihr als Römer ausgesehen habt.«
»Du darfst uns
aber nicht auslachen.«
»Ihr nehmt
besser eure Armbänder mit,«
sagte ich, sonst geht euch zu schnell die Puste aus.«
Hera hatte uns die Armbänder gegeben, als wir zu einer Zweitagesreise zur
Burg Taleck aufgebrochen waren. Sie sollten einem die Hemmung zum Zuschlagen
nehmen und die Ausdauer erhöhen, falls es zu einem Kampf kommen sollte.
Wir warteten
noch auf Jeanette. Dann sprangen wir. Auf den Wiesen vor dem Kastell wurden
die Legionäre schon gescheucht. Rufus hatte schon auf uns gewartet. Wir
gingen sogleich zur Zeugkammer. Unsere Rüstungen lagen bereit. Den Frauen
machte es nichts aus, dass Rufus und der Mann der Zeugkammer zugegen waren,
als sie sich umzogen. Rufus dagegen wusste nicht, wohin er seinen Blick
wenden sollte. Zuerst zogen wir unsere Tunika an. Darüber den Körperschutz.
Die Tunika war etwas länger wie der Körperschutz und reichte bis etwas über
den Schritt. Dann folgten die Sandalen. Lena bestand darauf, dass wir unsere
Schwerter tragen sollten, obwohl wir mit Holzschwertern kämpfen wollten. Es
war ein ungewohntes Gefühl mit Schuhen zu laufen, unter denen sich unzählige
Eisennägel befanden. Wir grinsten uns an, als wir uns gegenseitig musterten.
Die Frauen sahen wirklich zum Anbeißen aus in ihren Miniröckchen.
Hoffentlich verleitete dieser Anblick die Legionäre nicht zu unüberlegten
Handlungen. Rufus ergötzte sich an dem, was ihm die Frauen boten. Jeanette
zog ihr Schwert und rief, »auf in den Kampf.«
Als wir durch
das Tor gingen, hörte das Kampfgeschehen auf dem Platz auf. Die Legionäre
blickten uns entgegen. »Stop,«
rief Lena. »Erst mache ich ein paar Aufnahmen von euch.«
Wir mussten uns mit dem Rücken zu den Legionären aufstellen. Lena machte
Aufnahmen von der Seite, von hinten und von vorne.
»So ihr dürft
jetzt,«
meinte sie dann. Lena schaltete ihre Kamera ein. Wir gingen bis zur Mitte
des Platzes, die Legionäre grinsten uns an, wir grinsten zurück. Rufus
erklärte den Legionären, weswegen wir hier waren, obwohl sie das sicher
schon wussten.
»Ich suche drei
Mann für die Ausbildung, wer meldet sich freiwillig?«
Kaum ausgesprochen drängten die Legionäre nach vorne. »Halt, ich brauche nur
drei von euch.«
Schließlich zeigte er auf drei Männer. Diese grinsten die anderen
schadenfroh an. Rufus scheuchte die Legionäre wieder aufs Übungsfeld zurück.
Ein Legionär brachte für uns drei Übungsschwerter aus Holz. Wir legten
unsere echten Schwerter ab. Rufus nahm ein Übungsschwert und zeigte uns, wie
man einen Angriff abwehrt. Jeanette konnte es nicht lassen. Wild mit dem
Schwert herumfuchtelnd, tänzelte sie vor uns herum. Als sie merkte, dass sie
die Aufmerksamkeit der Legionäre auf dem Übungsfeld hatte, steigerte sie ihr
Tempo und ließ zu, dass ihre Toga ungebührlich weit hoch rutschte und ihr
Höschen zu sehen war. Die Legionäre waren nicht mehr zu halten. Lautes
Gelächter schallte zu uns rüber. Wir konnten nicht anders und lachten mit,
bis uns die Tränen kamen. Jeanette, die sich in ihrer Rolle gefiel, hob ihr
Schwert, stieß laute Kampfschreie aus, die von den Legionären erwidert
wurden. »Ganz schön aufregend so ein Kampf,«
meinte sie dann und legte sich ausgestreckt ins Gras. Inzwischen hatten sich
viele Zuschauer aus dem Kastell vor dem Tor eingefunden.
»Legionäre
Achtung,«
rief Rufus. Wir stellten uns auf und versuchten mit Abwehrbewegungen, unsere
Gegner auf Abstand zu halten. Ich hatte ja schon ein wenig Erfahrung und
konnte die Schläge abwehren. Das ging eine Weile so hin und her, bei meinem
Partner zeigten sich erste Erschöpfungserscheinungen. Aus Stolz wollte er
das aber nicht zugeben. Unsere Armbänder zeigten ihre Wirkung. Mein Partner
wollte es zu Ende bringen, nahm keine Rücksicht auf einen scheinbaren
Anfänger und versuchte, meine Abwehr zu durchbrechen. Er kam mir so nahe,
dass ich einen weiteren Schritt auf ihn zumachte, und ihn über mein
ausgestrecktes Bein schupste und zu Fall brachte. Überrascht sah er zu mir
hoch auf meine Schwertspitze, die auf seinen Hals gerichtet war. Ich half
ihm aufzustehen. Die Frauen hatten auch genug. Jeanette machte
Lockerungsübungen, ließ ihre Arme kreisen und hüpfte auf der Stelle. Sie
sah, dass das den Legionären gefiel.
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Wir hatten uns alle schön gemacht. Weil herrliches Wetter war, und wir es
nicht eilig hatten, waren wir mit Jessikas kleinem Geländewagen unterwegs.
Unser Ziel war das Verlagshaus, das mein Buch der Öffentlichkeit vorstellen
wollte. Vor uns lagen fünfundsiebzig Kilometer Autobahn.
Die halbe Strecke lag hinter uns, als ein Motorrad an uns vorbei rauschte.
Verschreckte Autofahrer vor uns stiegen auf ihre Bremsen, als das Motorrad
so plötzlich neben ihnen war und sie ihren eigenen Überholvorgang abbrechen
mussten. Weiter vor uns passierte es dann. Ein erschreckter Autofahrer bekam
sein Auto nicht mehr unter Kontrolle. Bremslichter leuchteten auf, Autos
schlingerten über die Straße. Jessika hatte rechtzeitig gebremst und die
Warnblinker eingeschaltet. Zum Glück war nicht viel Verkehr, so kam es
hinter uns nicht zu weiteren Auffahrunfällen. Drei Autos vor uns war ein BMW
unter einen Lastwagen gerauscht. Das Vorderteil des BMW hatte sich unter den
Lastwagen geschoben. Es herrschte eine unnatürliche Stille. Die ersten
Autofahrer verließen ihre Autos um sich das Unglück anzusehen. Dann standen
sie hilflos herum, starrten auf die Insassen des Unglückautos, hoffend, dass
einer die Initiative ergriff. Die Fahrerin war ebenso wie ihr Beifahrer
schon älter. Beide schienen das Bewusstsein verloren zu haben. Der Aufprall
war durch den Airbag abgemildert worden.
Da ich nicht
wollte, dass man mich erkannte, veränderte ich mein Gesicht und hoffte, dass
jemand den Notruf gewählt hatte. Die Frau öffnete ihre Augen und schaute
mich an. »Es ist nicht so schlimm wie es aussieht, versuchte ich sie zu
beruhigen.«
»Was ist mit meinem Mann?«
»Der wird schon
wieder.«
Die Tür ließ sich nicht öffnen, die Seitenscheibe war zerbrochen. Ich
erschrak, als ich in den Wagen schaute. Blut tropfte von ihrem Sitz herunter
und bildete bald eine große Pfütze am Boden. »Was ist,«
fragte die Frau, als sie mein erschrockenes Gesicht sah. »Sie sind verletzt
und müssen hier schnell raus.«
»Kümmern sie sich erst um meinen Mann.«
»Sie verbluten,«
gab ich zu bedenken.
»Dann sei es
so.«
Ich konnte nicht sehen was dem Mann fehlte. »Erschrecken sie jetzt nicht,
ich hole sie zuerst hier raus.«
Schon einmal hatte ich einen eingeklemmten Lastwagenfahrer aus seinem
Führerhaus herausgezogen. Auf den Schrecken der Zuschauer konnte ich keine
Rücksicht nehmen. Wir wurden unsichtbar. Ich legte die Frau auf den
Seitenstreifen ab. »Bleiben sie bitte so liegen, ich hole erst ihren Mann.
Weiter unsichtbar befreite ich ihren Mann und legte ihn neben der Frau. Von
dem Lastwagen verdeckt, hatte man uns noch nicht entdeckt. Jessika sah sich
suchend um, in der Hand den Verbandskasten, und kam zu uns. Jeanette hatte
dem Mann ihre Jacke unter den Kopf gelegt. Unter dem Rock der Frau floss das
Blut hervor.
»Ich muss unter
ihren Rock schauen woher das Blut kommt,«
sagte ich zu der Frau. Sie nickte. Langsam schob ich ihren Rock hoch. Dann
sah ich den tiefen Schnitt, aus ihm quoll ein stetiger Blutstrom. Abbinden
konnte man an dieser Stelle nichts. Jessika hielt mir eine Kompresse
entgegen, die ich auf die Wunde presste. Die Frau lag inzwischen in einer
großen Blutlache. Den Schnitt zusammen drückend, schickte ich meine
Heilenergie in die Wunde. Ich wusste dass es noch dauern konnte bis der
Unfallwagen da war. »Kannst du nachschauen ob der Mann blutet?«
stellte ich Jessika die lautlose Frage. Die Augen des Mannes waren
geschlossen. Jessika scheute sich davor den Mann umzudrehen. Sie zuckte mit
den Schultern und schüttelte ihren Kopf. Die Frau hatte unser Mienenspiel
beobachtet. »Was ist mit ihm?«
»Ihr Mann blutet nicht.«
»Was ist mit meinem Blut?«
Vorsichtig hob ich die Kompresse an. Der Blutfluss hatte nachgelassen. Die
Frau schaute mich erwartungsvoll an. »Es blutet nicht mehr so stark,«
beruhigte ich sie. Wir warteten darauf, die Sirene des Unfallwagens zu
hören.
Dann kam er schließlich und hielt an. Der Arzt stieg aus und kam mit seiner
Tasche angerannt. Schlimmes ahnend sah er auf das Blut, das den Rock der
Frau rot gefärbt hatte.
»Kümmern sie
sich erst um den Mann,«
bat ich. Langsam schien der Blutfluss zu versiegen. Während der Arzt zu dem
Mann ging, machte ich dem Sanitäter Platz. Fragend schaute er auf das Blut
und der Kompresse.
»Ist schon gut,
ich glaube sie blutet nicht mehr so schlimm.«
Die Frau wurde auf die Bahre gelegt. Als sie fortgetragen wurde, rief sie:
»Warten sie.«
Mühsam öffnete sie ihre Halskette, an der ein Kreuz mit vielen kleinen
Steinen besetzt, baumelte. Sie hielt mir die Kette entgegen. »Bitte tragen
sie sie.«
Sie wartete bis ich mir die Kette umgehängt hatte. »Danke für alles,
vielleicht sehen wir uns mal wieder.«
Ich nickte. Sie wurde in den Unfallwagen getragen. Der Mann wurde ebenfalls
auf eine Trage gelegt und in einen zweiten Unfallwagen geschoben.
Meine Hände waren verklebt vom Blut der Frau. Ein Zuschauer hielt mir eine
Flasche Wasser hin, die ich dankend annahm.
»Gib her,«
sagte Jessika und goss das Wasser über meine Hände. Halbwegs sauber gingen
wir zu unserem Auto. Die Polizei war mittlerweile auch schon da und sorgte
dafür, dass die Autos an der Unfallstelle vorbeifahren konnten. Wir waren
nur entfernte Unfallzeugen, also setzten wir unsere Reise fort.
»Jetzt musst du
aber Gas geben, sonnst kommen wir zu spät,«
meinte Lena.
Wir schafften es gerade noch rechtzeitig bis zum Verlagshaus. Waren die
vielen Autos alle wegen uns hier?
Anscheinend hatte man dem Türsteher gesagt, wie wir aussahen, denn er bat
uns ohne weitere Fragen herein.
»Wo finde ich
die Toilette,«
fragte ich und folgte der gezeigten Richtung. Mit Seife wusch ich den
letzten Rest des Blutes ab. Ein Blick auf meine Kleidung, sie schien keine
Blutflecke zu haben. Gemeinsam gingen wir zu den Menschen, die auf unser
Erscheinen warteten. Es folgte eine Vorstellung der wichtigsten Leute. Die
Besitzer des Verlagshauses wurden entschuldigt, diese hatten ihr Kommen
angekündigt, waren aber noch nicht erschienen. Mir fiel eine junge Frau auf,
die wiederholt zum Eingang schaute. Unsere Blicke trafen sich.
Sie stutzte, kam zögernd näher und starrte auf das Kreuz.
»Meine Mutter
hat das gleiche Kreuz.«
Abwartend schaute sie mich an. Ich sah woran sie dachte.
»Ihre Mutter
hat sie mir geschenkt.«
»Was ist mit
ihr?«
»Sie hatte einen Unfall auf der Autobahn. Es geht ihr gut.«
»Was ist mit
meinem Vater?«
»Ich weis es
nicht.«
»Und sie hat
ihnen die Kette geschenkt?«
»Vielleicht
auch nur geliehen, ihre Mutter wollte sicher, dass wir uns wiedersehen.«
»Wohin wurden
meine Eltern gebracht?«
»Das weis ich
nicht, fragen sie bei der Autobahnpolizei nach.«
Sie rannte aus den Raum, die Leute schauten ihr nach.
Viele der geladenen Gäste wollten ein Signiertes Buch. Wir schrieben alle
unsere Namen hinein. Inzwischen wurde bekannt, dass die Verlagsbesitzer
einen Unfall hatten. Mit keinem Wort wurde erwähnt, dass wir damit etwas zu
tun hatten, und waren froh, als sich der Pflichtbesuch dem Ende zuneigte und
wir heimwärts fahren konnten.
Die Junge Frau sahen wir nicht wieder. Erst am nächsten Tag fuhr sie vor.
Wir saßen draußen im Garten. Zögernd stand sie vor dem Tor. Ich ging ihr
entgegen und ließ sie herein. Dann stellte ich uns vor. Ihr Name war Sylvia.
Meine Mutter hat mir erzählt dass sie sie aus dem Auto geborgen haben. Alle
rätseln wie sie das gemacht haben. Man hätte sie herausschneiden müssen. Sie
konnte nicht glauben, dass sie das gewesen sind, das Gesicht ihres Retters
hätte nicht dem entsprochen, welches sie von ihren Fotos kannte.
Da meine Mutter
viel Blut verloren hatte, musste sie zur Beobachtung im Krankenhaus bleiben.«
»Wie geht es
ihrem Vater?«
fragte Jessika.«
»Dem geht es
schon wieder besser, ein Bein ist gebrochen und ein paar Rippen angeknackst.«
»Dann ist ja
alles gut ausgegangen,«
meinte ich.
»Ja, dank ihrer
Hilfe.«
»Wir helfen
immer gerne.«
»Meine Eltern
möchten sie etwas besser kennenlernen, kommen sie uns besuchen?«
»Ja, machen
wir, wir sind ja sozusagen Geschäftspartner.«
»Nein, sagen
sie so etwas nicht, ein wenig mehr bedeuten sie meinen Eltern schon. Darf
ich sie anrufen wegen der Einladung?«
»Wir freuen
uns.«
Ich brachte sie zum Tor. »Hoffentlich wird das nicht wieder eine
Zurschaustellung,«
meinte Jeanette.
Zusammenfassungs-Expose
Buch 1
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Für mein drittes Manuskript suche ich noch nach Ideen. Schlagt mir welche vor.
Falls sie etwas zu meinem Roman sagen möchten, oder eine Idee haben,
schreiben sie es in mein Feedback-Formular.
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